Aktivhäuser aus Holz und Lehm

Klimafreundlich und zeitgemäß – Österreichs innovativste Wohnanlage entsteht zurzeit in Graz, gebaut wird sie von einem Tiroler, der das Pilotprojekt eines Aktiv-Klimahauses bereits in Kramsach umsetzte.

Von Ursula Philadelphy

Innsbruck, Graz –Es ist ein ökologisches Gesamtpaket, das Martin Partoll in Kramsach für dreißig Familien wahr machte. Nun hat er mit seiner Bauträgergesellschaft „Aktiv Klimahaus GmbH“ in Graz noch eins draufgelegt. Baubeginn ist nächste Woche und diesmal stehen 143 Wohneinheiten auf dem Plan – sie entstehen im Rahmen des Leitprojektes zur energieoptimierten Stadtentwicklung „ECR Energy City Graz – Reininghaus“.

Auf einer Gesamtgrundfläche von 17.000 Quadratmetern werden zwölf mehrstöckige Plus-Energiehäuser mit 143 Wohneinheiten errichtet, die alle über einen Balkon oder eine Terrasse verfügen. Die Gesamtinvestitionssumme beträgt 30 Millionen Euro. Dazu gehört auch eine Tiefgarage mit Elektroautos für Carsharing zu moderaten Preisen und Elektrobikes für die Bewohner.

„Zweitautos sind somit für die Familien nicht mehr nötig, das kommt ebenso gut an wie die Elektrobikes“, so Partoll. Er ist sich sicher, dass mit dieser Wohnanlage „die Zukunft des urbanen Wohnens beginnt“, denn es sind bereits die nächsten Projekte in Planung. „Ich stehe für Holzbauten mit energietechnisch hochwertigem Niveau, und das überzeugt die Menschen – es gibt Anfragen quer durch Österreich und Deutschland.“

In Kramsach waren es 15 Reihenhäuser und drei viergeschoßige Wohnhäuser. Passivhäuser mit Lehmputz und minimalem Energieeinsatz. In Graz setzt Partoll auf Photovoltaik, die „in den letzten Jahren einen Preisrutsch nach unten gemacht hat“. Außerdem gibt es natürlich umfassende Förderungen zu diesem Wohnbauprojekt, das ein Gemeinschaftsprojekt von Aktiv Klimahaus, AEE Intec – einem Institut für nachhaltige Technologien in der Steiermark –, der TU Graz, der Stadt Graz und der WEGRAZ ist. Für die Generalplanung gingen Nussmüller Architekten ZT als Sieger eines Architekturwettbewerbes hervor. Außerdem gibt es auch noch Fördermittel vom Bundesministerium für Verkehr, Infrastruktur und Technologie und des Landes Steiermark.

Wie funktioniert nun so ein Aktiv-Klimahaus und was ist das Besondere an der Holz-Lehm-Konstruktion? Immerhin stellt die bis zu fünfgeschoßige Konstruktion eine Besonderheit im innovativen Holzbau dar. „Durch die Naturmaterialien – Holz und Lehm – entsteht ein besonders angenehmes, ausgleichendes Raumklima, denn Lehm atmet, nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie langsam wieder ab, was für das Raumklima gut ist“, erläutert Partoll. Die verwendete CLT-Konstruktion – Massivholz-Elemente für Wände und Decken – erhalten einen fünf Zentimeter dicken Lehmputz und auch die Wandfarben sind selbstverständlich Lehmfarben, denn Dispersionsfarben würden die Poren verschließen und damit das System ad absurdum führen. Einzig die innen aufgestellten Zwischenwände sind aus Gipskarton. Das ist für die Gesamtheit aber prozentuell irrelevant und führt zu keinem merkbaren Min-derergebnis bezüglich des generellen Raumklimas.

Einzigartig ist die neue Wohnanlage auch bezüglich der Energieeffizienz. Waren es in Kramsach noch „nur“ Passivhäuser, so setzt man nun auf die neueste Technologie und erneuerbare Energieträger. Eine Erdwärmeheizung sowie eine an das öffentliche Stromnetz angebundene Photovoltaikanlage liefern mehr Energie, als die ganze Wohnanlage selbst braucht. Die entstehende Überenergie kann von einem angrenzenden Pflegeheim genutzt werden und nachdem im Sommer keine Energie für Heizung gebraucht wird, ist ein nahe liegender Supermarkt Nutznießer für seine Kühlung.

Aus Passivhäusern sind somit Aktivhäuser geworden, die sehr effizient arbeiten werden. Bereits im Pilotprojekt in Kramsach freut man sich über niedrige Energiekos- ten. Dort benötigen die Bewohner der 15 Reihenhäuser, die je 108 m² Wohnnutzfläche haben, im Jahresdurchschnitt zwischen 30 und 50 Euro monatlich für Heizung, Warmwasser und Haushaltsstrom. Beim Grazer Aktivhaus rechnet Partoll mit monatlichen Kosten im Schnitt von 15 bis 65 Euro – die Wohnnutzflächen der Wohnungen liegen zwischen 60 und 130 m².

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