Resteverwertung mit viel Fantasie

Alte Motoren mutieren zur Basis von Sofatischen, undichte Öltonnen zu Barhockern, hölzerne Skier von anno dazumal zur Garderobe, ein Mistkübel zum Lampenschirm. Zu sehen sind diese reizvoll zwischen Kunst und Gebrauchsgegenstand angesiedelten Objekte in der Innsbrucker Galerie Rhomberg.

Von Edith Schlocker

Die Zeiten der Trennung der Künste in „e“ und „u“ sind gottlob passé. Als sich „richtige“ Künstler zu gut dafür waren, Objekte mit realem Gebrauchswert zu kreieren. Was natürlich das Herz von Clemens Rhomberg erfreut, ist er doch nicht nur Verkäufer edler Möbel, sondern auch Galerist. Beide Inter­essen kann er auf ideale Weise in seiner aktuellen Ausstellung vereinen, in der Lampen, Tische, Stühle und Garderoben zu sehen sind, die Künstler kreiert haben.

Der bekannteste von ihnen ist der international umtriebige Italiener Michelangelo Pistoletto, der vor Jahren für sein Projekt „Mezzoterra Mezzomare I Mediterranei – Sedie Love Difference“ 248 identische Stühle eigenhändig jeweils mit einem Stück Küstenlinie der Weltmeere bemalt hat. Gedacht als real besitzbare Metapher für die Integration der unterschiedlichsten Kulturen, die Vision einer gemeinsamen Welt trotz aller individueller Unterschiedlichkeit.

Eines dieser in alle Welt verstreuten Sitzmöbel steht in der Galerie Rhomberg neben einem Tisch von Peter Kogler, der plakativ mit einem Ganglienmuster bedruckt ist. Aber auch über große gläserne Schalen lässt der in Wien lebende Tiroler gern stilisierte Ameisen oder Mäuse laufen.

Ausschließlich aus gefundenen Materialien baut dagegen der Haller Wolfgang Wallner seine schrägen Gebrauchsgegenstände. Was den 38-Jährigen interessiert, sind Materialien, die Spuren ihrer Entwicklung zeigen, um daraus neue Bestimmungen abzuleiten. Indem Wallner etwa fünf uralte Skier auf eine metallene Platte montiert und mit Haken versieht, um an diese Kleider zu hängen. Oder einen perforierten metallenen Uralt-Mistkübel nimmt und ihn zum nicht uncharmanten Schirm für eine Lampe umfunktioniert. Fast skulptural mutet dagegen die Lichtskulptur an, die er aus einem alten griechischen Mühlrad gemacht hat. Zu Lampen umfunktioniert hat Wallner auch kugelige Scheinwerfer eines längst ausgemusterten BMW, die er auf ebenso alte Stative montiert hat.

Pariserisch kapriziös kommt die Ablage daher, die der französische Fotograf und Bildhauer Damian Roland erfunden hat. Als schlichte gläserne Platte, die auf völlig realistisch aus Bronze geformten Bananen aufliegt bzw. in einer von ihnen steckt.

Dass das von Thomas Eisl in die Ausstellung gestellte „Radio“ auch wirklich funktioniert, würde man diesem nie zutrauen. Tut es aber, obwohl das Modell nicht nur uralt, sondern real gebacken und deshalb arg deformiert ist. Etwas ganz Besonderes sind auch die Lampenobjekte aus der Werkstatt des seit vielen Jahren in London lebenden Watteners. Englische Milchflaschen werden hier zu Lampenschirmen, montiert auf hochbeinigen metallenen Tischchen, die – wegen ihrer schiefen Platten – nicht wirklich benützbar sind.

Aus Brixen kommt Herbert Perathoner, der sich als Designer als kreativer „Resteverwerter“ betätigt. Besonders gern scheint der 48-Jährige Gequetschtes in sämtlichen Größen und Varianten zu mögen. Vorgeführt als Behältnisse für Bleistifte, Blumen oder als ausgewachsene Barhocker, die er aus bunt bemalten, alten Öltonnen gemacht hat.

Auf den Motorblock eines alten Jeeps hat Perathoner eine Glasplatte gelegt und der Sofatisch war fertig. Andere Tischplatten sind aus sorgsam spiralig gelegten Ketten von Motorrädern gemacht. Aber auch für Pleuelstangen, Bremsscheiben und Ventilatorteile hat Herbert Perathoner Verwendung.

Alles neu ist dagegen bei Ype Limburg, seines Zeichens mit den unterschiedlichsten Techniken experimentierender Druckgrafiker. Er steuert zur Ausstellung in der Galerie Rhomberg das extravagante Bild des Kaufhaus Tyrol sowie einen poetisch bedruckten Leuchtkasten bei.

Jedes der in der Schau präsentierten Objekte ist ein Unikat und somit ein Kunstwerk, mit dem Mehrwert, nicht nur schön zum Anschauen, sondern real brauchbar zu sein.

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