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Tyrolean drängt auf neuen KV

Die Tiroler AUA-Tochter hat gestern die Mitarbeiter bei Informationsveranstaltungen über den Betriebsübergang aufgeklärt. Die Lufthansa flog im 1. Quartal 381 Mio. Euro Verlust ein.

Wien, Innsbruck –Eigentlich wollen alle dasselbe. Der Betriebsrat von AUA und Tyrolean und auch das AUA-Management möchten so schnell wie möglich einen gemeinsamen Konzern-Kollektivvertrag auf die Beine stellen. Eine rasche Umsetzung dürfte sich vermutlich erneut an den Details spießen.

1Mitarbeiterinformation: Anstelle der angekündigten Betriebsversammlung hat die Tiroler AUA-Tochter Tyrolean gestern den ganzen Tag über drei Informationsveranstaltungen abgehalten. Die 1300 Beschäftigten drängen auf einen gemeinsamen, neuen Kollektivvertrag. „Da wir im Grunde dasselbe Ziel verfolgen wie Vorstandschef Jaan Albrecht, wollten wir den Flugverkehr so wenig wie möglich beeinträchtigen“, erklärt Betriebsratssprecherin Alexandra Patzal im TT-Gespräch. An die 500 Mitarbeiter sind gekommen, davon rund 100 vom AUA-Flugbetrieb. „Die Stimmung war gut“, berichtet Patzal, „es muss gelingen, dass wir alle an einem Strang ziehen.“ Akute Jobangst herrsche keine, im Zuge des Betriebsübergangs der AUA auf die Tyrolean seien die Senioritätslisten die größten Sorgen der Piloten und Flugbegleiter. Derzeit läuft noch die Kündigungsfrist des Tyrolean-Kollektivvertrages. Wenn dieser aber mit 1. Juli ausläuft, sei die Seniorität außer Kraft, erklärt Patzal. Abgesehen von verschiedenen Zulassungskriterien sind auch die Aufstiegsmöglichkeiten vom Copiloten zum Kapitän bzw. vom Flugbegleiter zum Kabinenteamchef („Purser“) bei AUA und Tyrolean unterschiedlich geregelt. Wie die Mitarbeiter der beiden Flugbetriebe nach der Zusammenführung unter dem Dach der Tyrolean eingestuft werden, beschäftigt die Gemüter. „In erster Linie geht es uns aber darum, dass Tyrolean und AUA nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden und endlich Frieden einkehren kann“, sagt Patzal.

2AUA unter Druck: Heute veröffentlicht die AUA ihr Finanzergebnis für das erste Quartal 2012. Obwohl die gesamte AUA-Gruppe von Jänner bis März dieses Jahres 2,3 Mio. Passagiere transportierte, so viele wie nie zuvor, beziffert AUA-Boss Jaan Albrecht die Mehrkosten mit 28 Mio. Euro. Mit dem Sparprogramm will Albrecht allein heuer 230 Mio. Euro einsparen, doch nach den monatelangen Debatten über Kollektivverträge und den Betriebsübergang auf die Tyrolean ist viel wertvolle Zeit verstrichen. Ob es der AUA gelingt, noch heuer in die schwarzen Zahlen zu fliegen, gilt als höchst unwahrscheinlich. Lufthansa-Boss Christoph Franz hatte bereits vor Wochen klargestellt, dass man anhaltende Verluste bei der AUA nicht hinnehmen könne.

3Lufthansa in Bedrängnis: Die Lufthansa steckt selbst in einer schwierigen Lage. Mit dem Mega-Sparprogramm „Score“ will Lufthansa-Boss Franz in drei Jahren 1,5 Mrd. Euro einsparen. Auf der Langstrecke wird die arabische Konkurrenz gefährlich, über die Strategie im defizitären Europa-Geschäft herrscht Rätselraten, die Gewerkschaften haben sich bereits in Stellung gebracht. Meldungen, wonach das Inlands- und Europageschäft von der Lufthansa-Billigsparte Germanwings übernommen werden könnte, wurden weder klar bestätigt noch dementiert. Der Österreicher Wolfgang Mayrhuber hat als Lufthansa-Boss die AUA und die BMI zugekauft, „sein Lebenswerk liegt in Trümmern“, heißt es beim Kranich.

Allein im 1. Quartal 2012 ist die Lufthansa tief in die roten Zahlen gerutscht. Operativ verbuchte sie einen Verlust von 381 Mio. Euro, deutlich mehr als die 169 Mio. Euro Verlust im Vorjahreszeitraum, wie der Konzern am Mittwoch- abend mitteilte. Gründe sind u.a. die hohen Spritpreise und die AUA-Verluste. Der Lufthansa-Umsatz sei um 6 % auf 6,6 Mrd. Euro gestiegen. (bea)

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