Standort Tirol

Streit um Tourismus-Jobproblem

ÖGB für Ganzjahresjobs, Bodenseer sieht „Job-Maschine“. IV gegen Arbeitszeitverkürzung.

Innsbruck –Um Tourismus-Jobs ist in Tirol ein Polit- und Sozialpartner-Streit entbrannt. Nachdem die Zahl der Arbeitslosen im April um 10,2 % gestiegen ist, forderte der ÖGB Tirol am Mittwoch die Wirtschaft dazu auf, gegenzusteuern und statt Saisonarbeitsplätzen Ganzjahresjobs zu schaffen. Den Tourismus bezeichnete der Gewerkschaftsbund als „Arbeitsmarktfalle“.

Jürgen Bodenseer, Präsident der Wirtschaftskammer Tirol, konterte, dass der Tourismus eine „Job-Maschine“ sei und keine Rede von einem „Job-Drama“ sein könne. Wie jedes Jahr steige die Arbeitslosigkeit nach Saisonabschluss kurzfristig an, bereits einen Monat danach sinke sie aber wieder und im Sommer werde regelmäßig Vollbeschäftigung erreicht, erklärte Bodenseer.

Auch SPÖ-Tourismussprecher Klaus Gasteiger kritisierte genau diese Erklärung, wonach dieses Phänomen jedes Jahr auftrete. „Und wie jedes Jahr wird wieder nichts dagegen unternommen“, so Gasteiger. Nur Ganzjahres-Arbeitsplätze könnten etwas ändern. Gasteiger hat für den Tourismus einen 6-Punkte-Forderungskatalog erstellt – er fordert allem voran eine Arbeitszeitflexibilisierung sowie bessere Sozialstandards. Auch schlägt er die Schaffung von Karriere- und Arbeitsplatz-Pools vor, in denen sich kleine Betriebe bei der Beschäftigung zusammentun sollten.

Die Tiroler Industriellenvereinigung sprach sich als Reaktion auf Wortmeldungen zum „Tag der Arbeit“ gegen eine Verkürzung der Arbeitszeit aus. Ein solches Vorhaben wäre „ein Musterbeispiel für einen unsinnigen Irrweg“. IV-Präsident Reinhard Schretter betonte, die heimische Industrie habe sich zuletzt als starker Wirtschafts- und Arbeitsmotor hervorgetan. (TT)

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