Ein Heimlichtuer unter den Vögeln

Die Hamsterbacken dienen dem Sammeln von Futter. Im Notfall kann die Hamstermama darin aber auch ihre Kinder in Sicherheit bringen.Foto: PantherStock

Meist ist es nur aufgrund von Kotspuren oder Fußabdrücken nachzuweisen, mit Glück hört man im Frühjahr und Herbst den hohen, leisen Reviergesang der Männchen: Das Haselhuhn führt ein äußerst heimliches Leben.

Von Helmut Pechlaner

Das Haselhuhn könnte ein Symbolvogel unserer Bergwälder sein, doch es ist scheu und gut getarnt, so ist es kaum bekannt. Als Verwandter von Auer- und Birkhuhn ist es der kleinste Vertreter der heimischen Raufußhühner.

Das Haselhuhn stirbt dort aus, wo sein naturnaher Lebensraum verschwindet. Neben dem alpinen Haselhuhnvorkommen befindet sich heute in dem größten geschlossenen Waldkomplex Mitteleuropas, bestehend aus Bayerischem Wald, Böhmerwald und oberösterreichischem Mühlviertel, ein guter Bestand.

Der gesicherte Nachweis eines Bestandes von Haselhühnern ist nicht einfach zu erbringen. Der rebhuhngroße Vogel führt ein so heimliches Leben, dass meistens nur hinterlassene Spuren nachgewiesen werden können. Man findet Kot, Mauserfedern, Brut- und Rastplätze sowie Fußabdrücke im Schnee oder im weichen Boden. Entdeckt man eine frisch benutzte Sandbadestelle, so weiß man sicher, dass hier Haselhühner leben.

Mit Glück hört man im Frühjahr und im Herbst auch den sehr hohen, jedoch leisen Reviergesang des Haselhahns, das so genannte „Spießen“. Man kann dieses mit dem Sprüchlein „Zieh mit der Hitz in die Höh“ umschreiben, es erinnert an den Gesang der Goldhähnchen.

Bei den Auerhähnen und Birkhähnen kennen wir die imponierenden Balzspiele und Kämpfe, diese sollen bei der angeborenen Vielweiberei zu möglichst vielen Verpaarungen führen. Haselhühner dagegen leben monogam und zurückgezogen. Mit seinen Rufen, Flattersprüngen und kurzen Schwirrflügen behauptet der Haselhahn schon im Herbst sein Wohngebiet durch eine markante Imponierstellung: Er plustert sein Federkleid auf und wirkt dadurch nahezu doppelt so groß.

Mit seinem braun-weißen Gefieder, der gesäumten tiefschwarzen Kehle und den roten Augenwülsten (Rosen) wirkt der sonst unscheinbare Vogel wie ein bunter Federball. Mit werbenden Gesten gegenüber seiner Henne wird die Partnerschaft bis zur nächsten Brutsaison im Frühjahr gefestigt.

Bereits zu Beginn der Balz zeigt der Hahn der Henne geeignete Nistplätze. In guter Deckung, an einem Baumstamm, einem Wildwurf, einem Reisighaufen macht die Henne dann ein Nest mit Federn, Nadeln und trockenem Gras, sie legt in die Nestmulde sieben bis neun Eier.

Während der Legezeit halten die Partner noch sehr engen Kontakt. Das insgesamt 26 Tage dauernde Brutgeschäft und die Aufzucht der Jungen erledigt die Henne dann aber allein. Ende August löst sich der Familienverband auf und die jungen Hähne suchen sich ein eigenes Revier.

Ein naturnaher Mischwald, gut strukturiert, bietet den besten Lebensraum für das Haselhuhn. Die Knospen der Laubbäume bilden die Nahrung, Fichten die Deckung. In einer reichen Bodenvegetation mit Preiselbeere und Heidelbeere findet der scheue Vogel beides.

Gerne hält sich das Haselhuhn auch an Bachläufen auf, weil hier Bestände an Weiden, Erlen und Ebereschen die begehrte Knospennahrung bieten.

Wie alle Raufußhühner benötigt das Haselhuhn sonnige Sandbadeplätze und zur Verdauung kleine Magensteinchen.

Vor Jahrzehnten wurde ich im Innsbrucker Alpenzoo angerufen, dass Waldarbeiter einen verletzten Greifvogel gefunden hätten, man brachte den Vogel vorbei. Die Gefiederfleckung des Vogels hatte an einen Habicht oder einen Sperber erinnert. Doch siehe da, es war eine Haselhenne. Trotz Schlägerungsarbeiten in unmittelbarer Umgebung hatte die Henne das Bodennest nicht verlassen und war schließlich von den Zweigen eines umstürzenden Baumes verletzt worden.

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