Stronach-Partei

Millionen für die Revolution

Der Austrokanadier Frank Stronach bastelt an einem politischen Programm. Wer es umsetzen soll, lässt er noch offen.

Von Wolfgang Sablatnig

Wien –„Wir sind noch nicht so weit“, ist alles, was Kathrin Nachbaur, Sprecherin des Austrokanadiers Frank Stronach, gestern zu den Politik-Plänen ihres Chefs sagen wollte. Dabei hat Stronach den Spekulationen darüber zuletzt selbst neuen Auftrieb verliehen. Über Wiener Boulevardblätter ließ er großflächig Broschüren verteilen, in denen er eine „geistige Revolution“ für Österreich fordert.

Er hoffe dabei auf die Jungen, schreibt er. Denn die ältere Generation und die Politiker – „Sie leben davon“ – würden für Veränderungen kaum auf die Barrikaden steigen.

Die teuren Beilagen sind nur der bisher letzte Höhepunkt einer ganzen Serie von Aktivitäten, mit denen Stro­nach sich in Politik und Gesellschaft engagieren will. Vehikel dafür ist sein „Stro­nach Institut für sozialökonomische Gerechtigkeit“, das an vier Hochschulen – darunter die Uni Innsbruck – Forschungsprogramme zu Demokratie, Steuern und Wirtschaftsthemen unterstützt. Mehrmals hat er auch schon davon gesprochen, neue politische Bewegungen fördern zu wollen.

In der Wiener Polit-Szene wird darüber spekuliert, dass Stronach bei der Wahl 2013 dem BZÖ unter die Arme greifen könnte. Parteichef Josef Bucher bestätigt denn auch ein Treffen mit Stronach, dessen Ansichten er für „höchst ehrenwert“ halte. Über eine Zusammenarbeit habe man aber nicht gesprochen.

Scharfe Ablehnung kommt hingegen aus der ÖVP. Einige von Stronachs Ideen – Verwaltungsabbau, Deregulierung, einfacheres Steuersystem – zielen mitten in die schwarze Kernkompetenz.

ÖVP-Obmann Michael Spindelegger sieht dennoch mehr eine Konkurrenz für das ganze Parteiensystem als nur für seine Partei. „Demokratie kann man sich nicht kaufen. Die muss sich entwickeln“, sagte er. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner reagiert noch schärfer: „Stro­nachs Prinzip, das Geld macht die Regeln, wird Schiffbruch erleiden. 20 Mio. machen noch keine neue Demokratie.“

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