Architektur

Licht, Öffis und Melonen in der Wiener Secession

Die Wiener Secession richtet den Scheinwerfer auf das filmische Licht: Mit der ersten Werkschau des belgischen Künstlers David Claerbout in Österreich rücken kleine cinematische Preziosen in den Fokus, die den Betrachter im Hauptraum des Ausstellungshauses zu einer Reflexion über Licht und Zeit verführen. Empfangen wird der Besucher allerdings von Wassermelonen.

Zwei überdimensionale Stücke der Kürbisgewächse thronen derzeit in den Schildkrötenvasen Robert Oerleys vor dem Jugendstilbau. Sie stimmen mit Augenzwinkern auf die zweite neue Schau, „Not Moscow not Mecca“ des Kollektivs Slavs and Tatars, ein. Sie sinnieren humorvoll mit überdimensionalen Obstskulpturen wie einem Quitten-Globus über Zentralasien und Europa, den Islam und die Moderne, Orient und Okzident. Neben verschiedenen Früchten wie Maulbeere oder Granatapfel gehört für sie auch die Wassermelone dazu, die sich eben vor der Secession findet.

Das Opus Magnum der Wiener Schau ist „Bordeaux Piece“. Dabei hat der Belgier im Laufe eines Monats einen zehnminütigen Kurzfilm 75 Mal exakt nachgedreht. Einzig die Tageszeit des Drehs wanderte sukzessive von 5.30 Uhr auf 22 Uhr. Und so wird das kleine Beziehungsspiel dreier Protagonisten nun in Wien gezeigt. Claerbout zeigte sich dabei am Mittwoch von der Installation im schwarzen Projektionssaal begeistert. „Davon träume ich schon seit Jahren - aber ich habe nie die Leute getroffen, die verrückt genug waren, es umzusetzen.“

Als wahrer Secessionist erweist sich hingegen der deutsche Künstler Stephan Dillemuth, der für die dritte kleine Schau in der Secession verantwortlich zeichnet. Unter dem Titel „Öffentliche Verkehrsmittel“ hat er sich in den rechten Seitenraum des Hauses zurückgezogen, der von der Secession selbst nicht, sondern nur von außen begehbar ist. „Ich habe mich secessioniert“, so Dillemuth.

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