Architektur

Unter dem Apfelbaum

Sommergespräch. Peter Handke fordert mit einem berührenden Theatertext heraus.

Von Sabine Strobl

Innsbruck –Und wieder ist es ein Apfelbaum. Zuletzt spielte er in Peter Handkes 2011 mit dem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichneten Stück „Immer noch Sturm“ seine Rollen. Jetzt entfalten Apfelbäume im Hintergrund seines Sommerdialogs „Die schönen Tage von Aranjuez“ ihr Dasein. Es ist die Zeit der Frühäpfel, die immer weniger in den Obstgärten zu finden sind. Ein Mann und eine Frau sitzen an einem Gartentisch im Grünen. Peter Handke spielt auf Adam und Eva an, wirft leicht ein paar Zitate aus der Weltliteratur in den Text und verweist auf Schillers „Don Carlos“, wo es anfangs heißt „Die schönen Tage von Aranjuez sind nun vorbei“. Es wird die Liebe verhandelt, das Frau- und Mannsein, die Zeit. Doch: „Zum Glück ist das hier zwischen uns beiden kein Drama. Nichts als ein Sommerdialog“, sagt der Mann an einer Stelle. Beide ermahnen einander immer wieder, sich an die Spielregeln ihres Gesprächs zu halten. Er erzählt, wie er nach Aranjuez gereist ist, der einstigen Sommerresidenz der spanischen Könige, zwischen Madrid und Toledo gelegen. Dort wollte er sich aus einer falschen Vorstellung heraus die „Casa del Labrador“, das Haus des Landarbeiters, ansehen, das sich als Schmuckstück für den König am Lande entpuppte. In der Nähe hat der Mann eine verwilderte Johannisbeere gekostet, ein Geschmack, den er immer noch spüren kann. Auch die Frau hat so ein Moment des Erwachens, der für alle Zeiten in ihr lebendig bleiben wird. Ihr Erinnerungsbild zeigt einen Obstgarten, in dem sie auf einer Schaukel durch die Luft sauste.

Für alle, die nicht am 15. Mai zur Uraufführung nach Wien eilen können, bleibt der Genuss, das poetische, heitere und zum Ende hin krachende Stück „im Sommerwind“ zu lesen.

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