Im Tal keine Zukunft

Junge Frauen entscheiden laut Studie über Landflucht

Immer mehr 20- bis 29-Jährige sind gut ausgebildet, kinderlos und in Vereinen nicht engagiert. Das ist für Landgemeinden ein Problem.

Von Anita Heubacher

Innsbruck –„Wenn die Frauen gehen, stirbt das Land“, so drastisch schildert eine Studie der Universität für Bodenkultur die Folgen der Landflucht. In manchen Landgemeinden in der Steiermark kämen bereits jetzt auf sieben junge Männer nur noch fünf junge Frauen. „Die Gemeinden kümmern sich zu wenig um die alles entscheidende Gruppe der jungen Frauen“, erklärt Studienautorin Gerlind Weber.

Die Trends aus der Steiermark lassen sich laut Weber auch auf Tirol umwälzen (siehe Kasten). Tatsächlich ist der Frauenüberschuss in Innsbruck besonders hoch. Auch am Speckgürtel der Landeshauptstadt kann man über den Zuzug von jungen Frauen nicht klagen. Ganz anders sieht es in Imst, Landeck oder Reutte aus. Die Lage in Lienz und Schwaz sei auch nicht viel besser, erklärt Georg Keuschnigg vom Forum Land. Der Verein des Bauernbundes kümmert sich um die Entwicklung des ländlichen Raumes. „Es braucht Angebote für junge Frauen und eine aktive Frauenpolitik der Bürgermeister.“

Studienautorin Weber sieht vor allem die jungen, kinderlosen Frauen benachteiligt. „Für Mütter gibt es in den Landgemeinden Angebote, für junge Männer ebenso.“ Gemeinden würden sich vor allem um Familien kümmern. „Dabei sind Haus und Kind ohnehin die besten Garanten dafür, dass die Menschen an einem Ort bleiben.“ Man dürfe diese Gruppe nicht total vernachlässigen, „aber man muss den Bürgermeistern die Augen öffnen“. Wenn junge Frauen nicht zu halten seien, dann müsse man sie nach einer gewissen Zeit offensiv zur Rückkehr aufs Land bewegen. So werbe das Waldviertel mit günstigem Wohnraum, erleichtere Betriebsgründungen und verweise auf die gute Lebensqualität. „In vielen Ortskernen stehen Räumlichkeiten leer, da könnten Gemeinden mit günstigen Konditionen locken“, meint Weber.

Die Studienautorin räumt allerdings ein, dass die jungen Frauen eine besonders schwer für das Landleben zu begeisternde Gruppe sind. „Sie sind, anders als junge Männer, nicht in Vereinen engagiert.“ Junge Frauen sind besser ausgebildet als ihre männlichen Pendants. Außerdem bleiben sie lange kinderlos. Zwei Drittel der befragten 20- bis 29-Jährigen hatten keine Kinder. Das macht mobil. Entweder die jungen Frauen jagen ihrem Arbeitsplatz oder ihrem Partner hinterher.

Neben den jungen Frauen brauchen Gemeinden laut Weber auch Integrationsangebote für Zugereiste. Vor allem Speckgürtel-Gemeinden würden unter diesem Phänomen leiden. „Für viele sind das Schlafgemeinden. Am Dorfleben nehmen die Binnenwanderer aber nicht teil.“ Wer wenig verwurzelt sei, wandere leichter ab, warnt Weber.

Verwandte Themen