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Kindesmisshandlung in Salzburg: „Hochgradiger Verdacht“

Anzeige sei erstattet worden, nun liege es an der Polizei, den oder die Täter zu finden.

Salzburg – Im Fall jenes knapp neun Monate alten Mädchens, das am Montag mit zwei gebrochenen Beinen ins Landeskrankenhaus Salzburg eingeliefert worden ist, sprechen die behandelnden Ärzte von einem „hochgradigen Verdacht auf Misshandlung“. „Die Verletzungen passen nicht mit den Aussagen der Eltern zusammen“, sagte der interimistische Leiter der Kinderchirurgie Jan Bauer. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen ein medizinisches Gutachten in Auftrag gegeben und das Landeskriminalamt mit weiteren Ermittlungen beauftragt.

Das Baby war am Montag mit geschwollenen Beinen und einem Hämatom im Gesicht ins Spital eingeliefert worden, informierte Bauer. Die Eltern hätten angegeben, dass das Kind in der Gehschule gestürzt sei. Den Bluterguss erklärten sie mit einem Sturz auf ein Holzspielzeug zwei Tage davor. „Nach der Diagnose hat sich gezeigt, dass die Art der Verletzungen und die Aussage der Eltern nicht zusammenpassen“, so der Mediziner.

Den „hochgradigen Verdacht“ auf Misshandlung begründeten die Ärzte damit, dass sich ein Kind bei einem Sturz in der Gehschule theoretisch ein Bein brechen könne, aber nicht beide, so Christian Heil, der Leiter der Kinderschutzgruppe und Oberarzt in der Kinderchirurgie. „Es braucht ein gewisses Maß an Gewalt, wenn beide Unterschenkel gebrochen sind.“ Ob das Hämatom wirklich durch einen Sturz auf ein Holzspielzeug entstanden sei, ließ Heil offen. Zumindest vom Alter der Verletzung her - laut Eltern zwei Tage vor der Aufnahme im Spital - stimme dies überein. Es sei aber auch denkbar, dass der Bluterguss durch einen Schlag verursacht wurde, sagte Heil. Ältere Verletzungen wurden bei dem Mädchen nicht entdeckt. Die Brüche werden nach Angaben des Arztes „sicher problemlos ausheilen“.

Das Baby ist gemeinsam mit der Mutter im Spital aufgenommen worden. Am Dienstag, an dem wegen des Feiertages weniger Personal anwesend war, sei dann der Eindruck entstanden, die Eltern würden das Kind vorzeitig wieder nach Hause mitnehmen wollen, so Bauer. „Wir haben daher die Polizei um Hilfe gebeten, die ins Spital gekommen ist. Sie hat der Mutter auch eindrücklich erklärt, dass sie sich strafbar macht, wenn sie das Kind aus dem Spital wegbringt.“

Am Mittwoch beriet die Kinderschutzgruppe den Fall. „Wir sind unserer Anzeigepflicht nachgekommen, jetzt muss die Polizei klären, wie die Verletzungen verursacht worden sind und wer es getan hat. Wir machen über mögliche Täter keine Aussage. Wir wissen nicht, ob es die Eltern waren“, so Heil. Das Kind bleibe jetzt noch einige Tage in der Kinderchirurgie. Wo es anschließend untergebracht wird, sei Sache der Jugendwohlfahrt. Die 25-jährige Mutter verhält sich laut Heil im Krankenhaus „sehr kooperativ“.

Die Staatsanwaltschaft Salzburg hat indes einen Sachverständigen mit der Erstellung eines medizinischen Gutachtens beauftragt, sagte Barbara Feichtinger, die Sprecherin der Behörde, zur APA. Dieser soll klären, wie die Verletzungen entstanden und wie schwer diese sind. Zudem sei das Landeskriminalamt mit weiteren Ermittlungen beauftragt worden, das unter anderem die Eltern einvernehmen wird.

Die Familie wohnt in der Nähe des Wallersees im Bezirk Flachgau. Die Mutter ist laut Polizei 25 Jahre alt, ihr Lebensgefährte 42. Dieser ist aber nicht der Vater des Mädchens. (APA)

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