Giro d'Italia

Die Wochen des Belauerns

Sanfter Beginn, hartes Ende: Der am Sonntag in Dänemark beginnende Giro d‘Italia wartet mit neuem Spannungskonzept auf die weltbesten Radrennfahrer.

Von Manuel Fasser

Innsbruck –Nach den ersten beiden Wochen, scherzt Thomas Rohregger, werden wohl die Augen müder als die Beine sein. Der in Innsbruck lebende Radprofi des Teams RadioShack-Nissan wird am Sonntag im dänischen Herning an den Start seines vierten Giro d‘Italia gehen. Und dieser werde, mutmaßt Rohr­egger, vom gegenseitigen Belauern geprägt sein. „Die Topfahrer werden sich in den ersten beiden Wochen zurückhalten und schauen müssen, was die anderen machen. Ständig musst du die Augen offen halten, dass keiner der Favoriten sich aus dem Staub machen kann. Das wird anstrengend werden“, erklärt Rohregger.

Der Grund dafür, erklärt der 29-Jährige, sei der veränderte Aufbau der Italienrundfahrt: Während im vergangenen Jahr gleich zu Beginn schwere Berge standen – etwa die Bergankunft am Ätna (9. Etappe) –, verlagerten die Organisatoren die Entscheidung des Rennens heuer ins letzte Drittel des Giros: Die erste wirkliche Bergetappe von Cherasco nach Cervinia (Bergankunft) wartet erst an Renntag Nummer 14 auf das Feld. Der Giro des vergangenen Jahres, mutmaßt Rohregger, sei wohl zu schwer gewesen, was sich negativ auf die Spannung auswirkte. Heuer will das OK offenbar den Spannungsbogen länger aufrecht halten.

Für Rohregger selbst begann die Woche mit einem ungewollten Spannungsmoment: Beim Treppensteigen knickste er sich den Knöchel um. „Nicht, dass ich nun wegen diesem Mist die Rundfahrt verpasse“, sagt Rohr­egger, sei ihm im Moment des Unfalls durch den Kopf gegangen. „Ich fuhr darauf gleich zum Arzt, der eine starke Überdehnung, jedoch keinen Bruch oder Riss feststellen konnte. Nun habe ich zwar Schmerzen, ich kann aber Rad fahren.“

Seine Aufgabe bei der Italienschleife werde die Unterstützung von Kapitän Fränk Schleck (Luxemburg) sein, erklärt Rohregger. „Ich rechne, dass Fränk neben Michele Scarponi und Ivan Basso um den Sieg fahren wird. Ich werde ihn am Berg nach besten Kräften unterstützen.“

Mit Stefan Denifl steht ein zweiter, starker Tiroler am Start des Giro, der in Dänemark mit einem Prolog seinen Auftakt feiert. Seine Form, erklärt der Stubaier, sei ausgesprochen gut. In seinem neuen Team Vacansoleil-DCM fühle er sich sehr wohl; zudem sei die Mannschaft „ausgezeichnet aufgestellt“. Mit Thomas De Gendt, sagt Denifl, ist ein Etappensieger von Paris-Nizza mit im Team. Mit Romain Feillu ein Sprinter, der im vergangenen Jahr acht Siege für sich verbuchen konnte. „In Summe sind wir schon richtig gut aufgestellt für den Giro.“

Denifl selbst glaubt an einen ähnlichen Rennverlauf wie Rohregger. Insbesondere die letzte Woche „wird eine richtig schwere Woche. Ich war einige Male dort unten in den Bergen, und das sind schon richtige Pässe.“ Auf gleich drei Etappen, erklärt Denifl, wird die 5000-Höhenmeter-Marke geknackt, „und das in der letzten Woche einer solch langen Rundfahrt, das wird schon richtig hart werden“.

Sein Ziel hänge vom Rennverlauf ab: „Wenn jemand von uns in den ersten zehn fährt, werde ich ihm helfen. Wenn nicht, wird jeder für sich auf eine Etappe fahren dürfen. Das ist der Vorteil bei uns: Wir sind hierbei etwas offener.“