Toter Ex-Ölminister

Fall Ghanem: Justiz ermittelt jetzt wegen Mordverdachts

Die Spekulationen überschlagen sich. Im Fall des in der Donau tot aufgefundenen libyschen Ex-Ölminister Shukri Ghanem wird Mord jetzt offenbar nicht mehr ausgeschlossen.

Wien – Noch ist das toxikologische Gutachten nicht da – trotzdem geben Polizei und Staatsanwaltschaft in Wien schon jetzt keine Auskünfte mehr zum Fall Ghanem. Wie berichtet hatte ein erstes Obduktionsergebnis Anfang der Woche gezeigt, dass der ehemalige libysche Ölminister in der Donau ertrunken war. Hinweise auf Fremdeinwirkung gab es keine.

Trotzdem sollen sich die Ermittlungen jetzt nicht mehr nur in Richtung Unfall drehen, wie es bisher hauptsächlich der Fall war. „Die Ermittlungen laufen wegen Mordverdachts“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Thomas Vecsey gegenüber dem „Kurier“. Offenbar gibt es derzeit Umfeld-Erhebungen, die über die Todesursache hinausgehen.

Wie berichtet, wurden die Spekulationen über Feinde des Ex-Ölministers in den letzten Tagen lauter. Immerhin soll er als ehemaliger Gaddafi-Vertrauter einer der wenigen gewesen sein, der etwas über den Verbleib der Öl-Milliarden des toten libyschen Machthabers gewusst haben könnte. Deswegen wurde laut einem „Presse“-Bericht wenige Tage vor dem Tod Ghanems auch ein Verfahren wegen Korruption eröffnet.

Auch die Familie ist den Ermittlern keine große Hilfe. Einen Tag nach dem Ableben des 69-Jährigen sind alle in Wien wohnhaften Familienmitglieder bis auf eine Tochter in ihre Heimat abgereist. Angeblich habe es sich um eine längst geplante Reise gehandelt, heißt es. Trotzdem steht der Polizei jetzt niemand zur Verfügung, der Auskünfte über Ghanems Kontakte und Lebenswandel in Wien sagen könnte. Immerhin hatte der Minister erst im April sein eigenes Büro in Wien aufgemacht – angeblich mit nur 35.000 Euro Startkapital.

Bis zur endgültigen Abklärung bleibt der Fall also weiterhin mysteriös. Die Informationssperre der Justiz schafft nur noch mehr Raum für weitere Spekulationen. „Wenn es ein Mord war, dann sicher ein ganz heimtückischer und gut geplanter“, zitiert der „Kurier“ nicht näher genannte Polizeiquellen. (tt.com)

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