„Abreißen war keine Option“

Architekt Wolfgang Retter modernisierte ein etwa 300 Jahre altes Gebäude in Osttirol. Aus der Ruine wurde eine Vorzeigeobjekt, das mit dem Tiroler Sanierungspreis 2011 ausgezeichnet wurde.

Von Vanessa Grill

Lienz –„Das Gebäude könnte 300 Jahre alt sein“, schätzt Architekt Wolfgang Retter das Haus in Lienz, das er im vergangenen Jahr für sich und seine Lebensgefährtin saniert hat. Die alten Gewölbe lassen auf das Alter schließen. Viel war nämlich nicht von dem Haus übrig geblieben, als Retter sich seiner annahm. Die letzte Sanierung fand bereits vor 120 Jahren statt. In den 80er-Jahren war das Gebäude einem Brand zum Opfer gefallen. Nach der Sicherung der Bausubstanz blieb es mehr als 20 Jahre unbewohnt.

„Im Grunde war das Haus eine Ruine. Die Grundmauern standen noch. Neben dem Bauplatz war es das 70 Zentimeter starke Bruch- und Bachsteinmauerwerk, das ich als Wert erkannt habe“, erklärt der Architekt. Entgegen der Meinungen vieler. „Viele rieten mir zu einem kompletten Neubau. Aber Abreißen war keine Option für mich.“

Sein Entschluss zu einer Revitalisierung des Hauses wurde mit dem Tiroler Sanierungspreis 2011 belohnt. Die Auszeichnung wird vom Land Tirol und Energie Tirol in Kooperation mit der Architektenkammer Tirol und der Bauinnung vergeben. „Das zuvor schon einmal umgebaute Gebäude in zweiter Reihe nimmt durch den Umbau Gestaltungselemente des ursprünglichen Zustandes auf. Der zuvor unattraktive Ort wird durch das sanierte Gebäude neu geprägt und aufgewertet“, lautete das Urteil der Jury.

Retter hat nicht nur Altsubstanz in neue, attraktive Wohneinheiten verwandelt, sondern dabei auch enorme Verbesserungen in der Energiebilanz erzielt. 91 Prozent beträgt die Einsparung an Energie gegenüber dem Altbau. Eine Solaranlage am Dach, eine Komfortlüftung und ein Ofen, der das zentrale Element im Haus bildet sorgen für ein angenehmes Raumklima.

Der Dachboden wurde ausgebaut. Dort sind neben einer Galerie die Schlafräume und ein Nassbereich untergebracht. Fensterausschnitte durchfluten das Haus mit Licht. Der frühere Balkon wurde erneuert und mit Glas verbaut. Neben Holz ist Stein das dominierende Material im Haus. Die alten Steinmauern ließ Retter teilweise sichtbar. Schließlich waren sie ja einer der Gründe, warum sich der Architekt zu einer Sanierung entschloss.

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