Gesellschaft

Zöllner an Türkei-Grenze verhaftet

Mehr als 30 Beamte des bulgarischen Zolls sind bei einer Razzia der Spezialeinheit zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens in der Nacht auf Donnerstag am Grenzübergangspunkt Kapitan Andreewo an der bulgarisch-türkischen Grenze wegen Korruptionsverdachts festgenommen worden. Bulgarien bemühte sich seit 2011 um den Beitritt zum grenzkontrollfreien Schengen-Raum.

„Wir haben mit höchstens einem Dutzend Verhaftungen gerechnet, das organisierte Netz erwies sich jedoch als viel größer, als erwartet“, kommentierte der Leiter der Sofioter Staatsanwaltschaft Nikolaj Kokinow. Ihm zufolge wird noch ermittelt werden müssen, wie das Korruptionsschema genau funktioniert hat. „Dabei hoffen wir auf Insider-Informationen“, sagte der Staatsanwalt. Bei den Festnahmen konnten rund 14.000 Lewa (umgerechnet ca. 7.000 Euro) beschlagnahmt werden. Kokinow zufolge handle es sich um eine „klassische Schmiergeldaffäre“. Die Zollbeamten hätten bestimmte Lkw-Ladungen gegen Geld die EU-Außengrenze passieren lassen.

Bulgarien investierte seit 2011 in die Sicherung seiner EU-Außengrenzen einschließlich zur Türkei über eine halbe Milliarde Euro. Die Niederlande hatten bisher eine Erweiterung des Schengen-Raums um Bulgarien und Rumänien wegen Korruptionsverdachts an ihren Grenzen abgelehnt. Der ursprünglich für März 2011 geplante Beitritt wurde seither mehrfach verschoben.

Bei seinem Besuch in Sofia vergangene Woche sagte EU-Ratspräsident Rompuy nach einem Gespräch mit dem bulgarischen Regierungschef Borissow, mit Ausnahme der Niederlande hätten bereits alle Schengen-Mitglieder einer stufenweisen Aufnahme Bulgariens und Rumäniens in die Gruppe der Staaten ohne Grenzkontrollen zugestimmt. Der von Deutschland und Frankreich eingebrachte Vorschlag zur Erweiterung des Schengen-Raums um beide Staaten sieht zunächst den Verzicht auf Grenzkontrollen im Luftverkehr vor.

Verwandte Themen