Scharfe Warnung

Russland droht mit Zerstörung des US-Raketenschilds

In bisher beispielloser Schärfe warnte der russische Generalsstabschef Nikolai Makarow die USA vor einer Raketenabwehr in Europa.

Moskau - Russland hat auf einer Konferenz mit Verteidigungsexperten der NATO-Staaten in Moskau in bisher beispielloser Schärfe vor einer US-Raketenabwehr in Osteuropa gewarnt. Mögliche Gegenschritte seien nicht nur die Stationierung von Iskander-Raketen in Kaliningrad an der Ostsee, sondern auch ihr Einsatz zur Vernichtung von Komponenten des geplanten westlichen Verteidigungsschildes. Das sagte der russische Generalstabschef Nikolai Makarow am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax.

„Wenn die USA und die NATO es für möglich halten, bei Gewährleistung der eigenen Sicherheit, die Sicherheit ihrer Nachbarn außer Acht zu lassen, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als passende Gegenmaßnahmen zu ergreifen“, sagte Makarow. Er drohte wie in der Vergangenheit auch mit einem Ausstieg aus Abrüstungsverträgen.

Moskau glaube den Beteuerungen Washingtons nicht, dass der Schild nur gegen andere Staaten und nicht gegen Russland gerichtet sei, betonte Makarow. Bisher hatte Russland nur mit der Stationierung eigener Verteidigungsanlagen gedroht, aber nicht so offen mit deren möglichen Einsatz.

Medwedew warnt vor neuem Wettrüsten

In einem Grußwort an die Konferenzteilnehmer hatte der scheidende Präsident Dmitri Medwedew vor einem neuen Wettrüsten gewarnt, sollten die USA ihre bisherigen Pläne so umsetzen. Noch gebe es Raum für einen Kompromiss, hieß es in dem vorgelesenen Schreiben. Russland hatte der NATO eine Zusammenarbeit bei dem Abwehrschirm angeboten. Eine Anlage unter Umgehung russischer Sicherheitsinteressen lehnt Moskau ab.

Die Raketenabwehr, die nach NATO-Angaben gegen Staaten wie den Iran oder Nordkorea gerichtet ist, soll beim NATO-Gipfel am 20./21. Mai in Chicago für teilweise einsatzfähig erklärt werden. Die volle Einsatzbereitschaft soll erst 2020 erreicht werden.

NATO-Chef Anders Fogh Rasmussen sagte, die Diskussionen mit Russland über das Thema würden fortgesetzt: „Denn wir stehen derselben Bedrohung gegenüber. Und es ist sinnvoll, zur wirksamen Abwehr dieser Bedrohung zusammenzuarbeiten.“ (APA/dpa)

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