Eine besondere Trophäe für einen besonderen Sportler

Skisprung-Star Andreas Kofler wurde gestern erneut geehrt. Dabei waren die sportlichen Erfolge des 28-Jährigen jedoch nur nebensächlich.

Von Susann Frank

Natters –Bei Andreas Kofler braucht es keine Trophäe, um seine Augen zum Leuchten zu bringen. Der erfolgreiche Skispringer hat dieses besondere Strahlen im Gesicht, das von innen heraus kommt. Der Gegenüberstehende gewinnt den Eindruck: Vor ihm steht ein positiver, lebenslustiger und freundlicher Mensch. So ist es derzeit auch die Stimmungslage des 28-Jährigen, die den gebürtigen Stubaier so preisverdächtig macht. Vergangenen Freitag wurde der in Thaur lebende zweifache Mannschafts-Olympiasieger zum Tiroler Sportler des Jahres 2011 gewählt, gestern Abend bekam der Gesamtweltcup-Dritte die Panathlon-Trophäe im Gemeindesaal Natters überreicht.

Natürlich ist dies auch eine Ehrung für seine herausragenden Leistungen. Aber diese allein hätten den ausgebildeten Polizeiinspektor nicht zum Preisträger emporgehoben.

Aufgrund seiner „menschlichen Haltung, seiner fairen Handlungsweisen und seiner Bodenständigkeit“ ist der amtierende Vize-Weltmeister von Panathlon-Präsident Günther Mitterbauer und dessen Vorstandskollegen mit dem Ehrenpreis bedacht worden. „Andi hebt wirklich nur beim Skispringen ab, ansonsten ist er richtig bodenständig“, sagt Mitterbauer und betont: „Ein Mensch, der dem Sport dient, auch außersportlich, ohne etwas dafür zu verlangen.“

Geben ohne zu nehmen – eine Seltenheit in der heutigen Konsumgesellschaft. „Für mich ist das selbstverständlich“, meint Kofler. Mit Autogrammen, Auftritten und Fotos würde er den Menschen etwas zurückgeben können. „Die Menschen stehen auch lange an der Schanze oder setzen sich hin und schreiben mir.“

Nicht umsonst gilt Kofler als Traum-Schwiegersohn vieler Mütter. Und das, obwohl es der Familienmensch keineswegs leicht hatte. Im Gegensatz zum Großteil der ÖSV-Stars, zu Benni Raich, Marcel Hirscher oder den Skisprung-Kollegen Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer, hatte Kofler keinen Vater, der ihn forciert und ihm den Weg geebnet hätte. Seine Mutter Renate und seine Schwester Daniela unterstützen ihn zwar nach Kräften, den Vater konnten sie nicht ersetzen. „Andi ist ein Scheidungskind. Er musste schon in der Jugend mehr Energie für den Sport aufbringen als andere“, weiß Markus Maurberger. Seit 18 Jahren kennt ihn sein Heimtrainer und weiß, „dass Andi schon immer lieb und nett war“.

Sein freundliches Wesen verlor Kofler auch nicht am sportlichen Tiefpunkt in der Saison 2007/08, als er an der Qualifikation für das Tourneespringen in Bischofshofen scheiterte und den Rest der Saison nicht mehr im Weltcup startete. In der Zeit musste er jedoch auch lernen, es nicht immer allen recht machen zu wollen, sondern auch auf sich zu schauen. „Er musste sich aneignen, ab und an seine Ellenbogen einzusetzen“, weiß Cheftrainer Alex Pointner. „Und sich nicht mehr über den Tisch ziehen zu lassen“, fügt Maur­berger an.

Einen unfairen Ellenbogencheck, dafür ist der Super-Adler jedoch nicht zu haben. „Viele sind mit Ellenbogen im Spitzensport im Einsatz, aber das sollte nicht sein“, betont er und meint abschließend: „Ich habe noch nie so eine Auszeichnung bekommen. Für mich hat sie einen hohen Stellenwert, weil es mich schon stolz macht, als fairer Sportler angesehen zu werden.“