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AUA will Ticketsteuer kippen

Die hohen Treibstoffpreise und die Flugticket-Abgabe haben der AUA im ersten Quartal einen Verlust von 66,7 Mio. Euro beschert, Arbeitsplätze sind derzeit nicht in Gefahr.

Von Beate Troger

Wien, Frankfurt –Es war ein schwarzer Tag für den Lufthansa-Konzern. Alle Tochterunternehmen der deutschen Fluggesellschaft haben gestern für das erste Quartal Millionenverluste gemeldet. Die Lufthansa selbst hat im Passagierverkehr 397 Mio. Euro verloren, die österreichische Tochter flog einen Verlust von 66,7 Mio. Euro ein, fünf Prozent mehr als im Vorjahr (63,5 Mio. Euro). Und selbst die Swiss, die mit Abstand erfolgreichste Airline der Lufthansa-Gruppe, landete mit einem Minus von 6 Mio. Euro erstmals seit Jahren wieder in den roten Zahlen.

Wie AUA-Boss Jaan Albrecht am Donnerstag in einer Telefonkonferenz erläutert, seien die stark gestiegenen Treibstoffpreise und die Belastung durch die Ticketsteuer für das Riesenloch in der Bilanz verantwortlich. 257 Mio. Euro, rund die Hälfte aller Kosten, seien für Sprit und die Steuer zu berappen – und das war allein im ersten Quartal mehr, als die AUA mit ihrem Sanierungsprogramm im heurigen Jahr einsparen will.

Die Luftverkehrssteuer, die seit 1. April 2011 vom Staat eingehoben wird, habe die AUA heuer im ersten Quartal voll erwischt – und das sind Kosten, die die Airline überwiegend selbst schlucken muss. AUA-Boss Jaan Albrecht spricht sich klar für die Abschaffung der Abgabe aus. Im Zuge der Verhandlungen über das Sparpaket habe Albrecht bereits eine mündliche Zusage bekommen, der AUA bei der Ticketgebühr entgegenzukommen: „Ich appelliere nochmals an das Finanzministerium alles zu tun, um den österreichischen Luftverkehrsstandort zu entlasten“, sagt Albrecht. Gegen die steigenden Treibstoffpreise könne die AUA bis auf die strategische Bevorratung mit der Lufthansa-Gruppe wenig tun, erklärt Albrecht. Ein Preisansteig von derzeit 130 auf 150 US-Dollar je Barrel würde die Airline mit etwa 60 Mio. Euro stärker belasten, rechnete der AUA-Boss der TT kürzlich vor.

Albrecht geht davon aus, dass die defizitäre Airline erst im nächsten Jahr in der Gewinnzone landen wird. „Ab dem zweiten Quartal greift unser Kostensenkungsprogramm“, ist er überzeugt.

Mit dem Betriebsübergang auf die Tyrolean hat die Konzernmutter Lufthansa auch grünes Licht für die Kapitalspritze in Höhe von 140 Mio. Euro gegeben. Geplant ist, mit dieser Summe längst überfällige Investitionen an Bord und am Boden zu tätigen. Wie die AUA-Maschinen im Vorjahr sollen nun auch alle Dash-Propellermaschinen und Fokker-Jets der Tyrolean mit modernen und leichteren Sitzen ausgestattet werden. Die zehn AUA-Langstreckenflieger bekommen eine zeitgemäße Business-Class mit komplett flachen Betten und einem neuen Unterhaltungsprogramm in allen Klassen. Darüber hinaus lässt die AUA im Terminal Skylink neue Lounges errichten. Die gesamte Investitionssumme beziffert Jaan Albrecht mit 80 Mio. Euro.

Welche Kosten der Betriebsübergang auf die Tyrolean verursachen wird, konnte er noch nicht abschätzen. Das sei abhängig davon, wie viele Piloten mit teuren Altverträgen die Airline verlassen. Alle 2100 Mitarbeiter des AUA-Flugbetriebes hätten ein Angebot für den Wechsel zur Tyrolean erhalten und 39 Tage Zeit, sich zu entscheiden. Die Lufthansa bestätigte gestern, 3500 der 16.000 Jobs in der Verwaltung abzubauen. Buchhaltung, Personalführung und Einkauf aller Töchter sollen zusammengefasst werden. Laut AUA-Boss Albrecht sei die österreichische Tochter aber nicht von Kündigungen betroffen.

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