Gott macht den besten Kaffee

Auf ihrem neuen Album „Ballast der Republik“ zeigen sich „Die Toten Hosen“ ein bisschen politisch und ziemlich poetisch.

Von Christiane Fasching

Innsbruck –Auf dem Südfriedhof von Düsseldorf haben sich Die Toten Hosen eine Grabstätte reserviert. Platz gibt‘s dort für 17 Personen – damit‘s nicht fad wird in der Ewigkeit. Ein himmlisches Bild vom Leben nach dem Tod zeichnet die Band rund um Frontmann Campino auf ihrem neuen Album „Ballast der Republik“ (JPK), das seit Freitag auf dem Markt ist und das 30-Jahr-Jubiläum der Düsseldorfer markiert. „Vogelfrei“ heißt die Nummer, die passenderweise das Album beschließt – und dem Tod den Schrecken nimmt. Vorausgesetzt man landet im Hosen-Himmel, wo jeden Tag Silvester ist, Champagner aus Wasserhähnen läuft und selbst der Teufel ab und zu vorbeischaut. Weil Gott den besten Kaffee macht.

Rührend eigentlich, dass sich die Mannen aus dem Ruhrgebiet derlei Gedanken über ihre Nachspielzeit machen. Aber vorläufig sind sie ja noch im Hier und Jetzt – und in den Startlöchern für ihre Geburtstags-Tournee, die sie am 28. Mai auch in die Dogana nach Innsbruck führt. Karten gibt‘s längst keine mehr, die Live-Auftritte der Toten Hosen sind seit jeher heiß begehrt.

Doch wer kein Ticket ergattert hat, der kann sich mit der neuen Song-Sammlung trösten. Sollte dabei aber darauf achten, die Edition mit dem Bonus-Album „Die Geister, die wir riefen“ zu erwischen – darauf covern die Punkrocker mit „Schrei nach Liebe“ nicht nur die Ärzte, ihre einstigen Erzrivalen aus Berlin, sondern setzen auch Kraftwerk, Rio Reiser und Funny van Dannen ein musikalisches Denkmal. Gehuldigt wird auch Falco und sein Welthit „Rock me, Amadeus“. „Ja, er war oft arrogant und hat sich manchmal wie ein Idiot benommen. Aber er war eben auch großartig“, heißt es im Booklet über Österreichs einzig wahren Popstar. Putzig, oder?

Als Juwel der Cover-Sammlung entpuppt sich das Lied „Die Moorsoldaten“, das 1933 als Befreiungshymne der Häftlinge im KZ Börgermoor entstand, von dort um die dunkelgraue Welt ging und in der rockigen Version der Toten Hosen für Gänsehaut sorgt.

Aber auch das Hauptwerk lässt Platz für große Gefühle. Etwa dann, wenn Campino in der stimmigen Ballade „Draußen vor der Tür“ Frieden mit seinem verstorbenen Vater schließt. Auch Rebellen werden sanfter – und einsichtiger. „Ich wollte nie so sein wie du und wie du denkst. Heut merk‘ ich immer wieder, wie ähnlich ich dir bin“, singt der Papa eines 8-jährigen Buben da. Doch Campino kann auch anders – nämlich laut, lustig und rockig wie in „Traurig einen Sommer“ lang, wo Jim Morrison, Sid Vicious und Michael Jackson zum Leben erweckt werden –und selbst Rex Gildo „Hossa“ johlen darf.

Schade nur, dass Birgit Minichmayr nicht ihre rauchige Stimme erhebt. Dass sie gut mit Campino (singen) kann, hat die Burgschauspielerin ja schon beim gemeinsamen Duett „Auflösen“ unter Beweis gestellt. Für den melodischen Ohrwurm „Tage wie dieser“, der ersten Single-Auskoppelung des Albums, tüftelte sie nun am poetischen Text, der pathetisch die Unendlichkeit beschwört. Aber „Ballast der Republik“ lässt – wie der Titel schon erahnen lässt – auch Platz für politische Exkurse. So geht‘s im gleichnamigen Album-Opener um das vereinte Deutschland, dessen Straßen mit Sorgen gepflastert sind und dessen Götter Trikots tragen. In „Europa“ wiederum wird die Flüchtlingsproblematik besungen und jener Menschen gedacht, die vom „gelobten Land“ träumen und dann im „Massengrab vom Mittelmeer“ ersaufen. Womit wir wieder beim Sterben wären. Das eben zum Leben dazugehört. Und nicht immer himmlisch klingen kann.