Bühne

Streicheleinheit für einen Unangepassten

Innsbruck – Der „Tiroler Preis für zeitgenössische Kunst“ wurde gestern dem Maler und Ausstellungsmacher Herbert Fuchs feierlich verliehen. ...

Innsbruck –Der „Tiroler Preis für zeitgenössische Kunst“ wurde gestern dem Maler und Ausstellungsmacher Herbert Fuchs feierlich verliehen. Einem Künstler, der Tirol immer wieder und vor vier Jahren wohl endgültig und diesmal Richtung Wien verlassen hat. „Ich gehe nach Wien, um meine Freunde in Innsbruck nicht zu verlieren“, sagte er damals nicht ohne Ironie.

Verärgert darüber, dass in Tirol „der konservative Kommerz“ dominiere, sich auch die Künstler der „politischen Schickimicki-Partie“ anpassten. Und sperrte seinen Innsbrucker Ausstellungsraum „Kreis 55“ nach nur fünf Monaten mit einer Schau zu, in der hochkarätige Arbeiten von Oswald Oberhuber, Thomas Feuerstein, Martin Kippenberger, Florian Schneider und seinem Bruder Dieter Fuchs zu sehen waren.

Was in dem Kopf von Herbert Fuchs vorgegangen ist, als das offizielle Tirol ihn gestern in der Person von Kulturlandesrätin Beate Palfrader groß gefeiert, den permanent unter Geldnot Leidenden mit 5500 Euro beschenkt und als „weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Künstler“ gelobt hat, weiß nur er.

Allerdings, so ambivalent Herbert Fuchs als Mensch wie als Künstler auch sein mag, für die Tiroler Szene hat der heute 60-Jährige in den Siebziger- und Achtzigerjahren viel getan. War sein damals in der Amraser Straße betriebener kleiner Kunstraum doch Treffpunkt einer avantgarden Künstlerszene, stellten u. a. Franz West, Peter Kogler, Georg Herold, Heimo Zobernig, Martin Gostner oder Martin Kippenberger hier aus, lange bevor sie international gehypt wurden.

Als großer Aufreger ist noch die 1993 von Fuchs veranstaltete „Grafika“ in Erinnerung, wo Kippenbergers „Gekreuzigter Frosch“ für ein gerichtliches Nachspiel gesorgt hat. Doch Herbert Fuchs gab nicht auf, lud 1995 eine illustere Künstlerschar drei Tage nach Umhausen, gefolgt von den nicht wirklich erfolgreichen interdisziplinären „Praline“- und „Verbale“-Projekten.

Vergeben wurden gestern auch die mit jeweils 2550 Euro dotierten Förderpreise an die Fotografin Carmen Brucic, den Fotografen und Filmemacher Gregor Sailer und das Künstlerduo Johanna Tinzl und Stefan Flunger. (schlo)

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