Natur

„Don‘t panic!“: Zentralmatura bereits Realität

In 58 Tiroler Schulen treten ab morgen 3716 Schüler zur Matura an. Das Hauptaugenmerk richtet sich in diesem Jahr ganz auf die Englisch-Reifeprüfung, die bereits nach neuen Kriterien durchgeführt wird.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck –Die beiden unscheinbaren Kartons sind adressiert an Max Gnigler, Direktor des Reithmanngymnasiums in Innsbruck. Sie sind gut verschlossen, und das soll sich bis morgen Montag, 7. Mai, auch nicht ändern. Bis dahin bleibt ihr Aufbewahrungsort streng geheim. Die Kartons beinhalten die Fragen für die Matura, für die es diesmal österreichweit einen gemeinsamen Termin gibt. Grund ist die schriftliche Reifeprüfung in Englisch, die bereits flächendeckend nach den neuen, einheitlichen Standards durchgeführt wird. In den anderen lebenden Fremdsprachen sind es immerhin bereits 50 Prozent der Schulen, die nach den Richtlinien der Zentralmatura vorgehen. Deutsch und Latein sollen im nächsten Jahr folgen.

In Tirol werden ab morgen 3716 Schüler vor Nervosität schwitzen, stöhnen oder vielleicht auch froh sein, endlich ihr Können beweisen zu können – je nach Fähigkeiten und Intensität der Vorbereitung. Ihr letzter Schultag liegt jedenfalls hinter ihnen. Die meisten, nämlich 1441 Schüler, besuchen eine der 25 allgemein bildenden höheren Schulen (AHS) im Land. Die Zahl der Maturanten habe in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, heißt es von Seiten des Landesschulrats. Mit einer 34,1-prozentigen Reifeprüfungsquote unter den 18- bis 19-Jährigen sei Tirol aber noch Schlusslicht in Österreich.

Die Durchfallquote dagegen ist in den zurückliegenden Jahren konstant geblieben. So brauchten 2011 rund 6,4 Prozent der Schüler einen zweiten Anlauf, etwa genau so viele wie fünf Jahre zuvor. Die meisten „Nicht bestanden“ gab es mit 10,4 Prozent in den AHS, gefolgt von den Bildungsanstalten für Kindergarten- und Sozialpädagogik (4,7 Prozent) sowie den technischen und gewerblichen Schulen (4,5 Prozent). Im Gegensatz dazu gibt es auch immer wieder Klassen mit herausragenden Ergebnissen. Im vergangenen Jahr stach die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Landeck hervor: Alle 24 Schüler hatten bestanden, unter ihnen neun mit ausgezeichnetem und drei mit gutem Erfolg. Keine Zahlen dagegen gebe es über die Menge der Nachhilfestunden, heißt es von Seiten des Landesschulrats.

Damit die Schüler des Reithmanngymnasiums nicht darauf angewiesen waren – zumindest für die neue Zentralmatura in Englisch –, konnten sie in der achten Klasse das Modul „Englisch fit“ wählen. „Fast alle haben es in Anspruch genommen“, sagt Klassenvorstand Ina Hacksteiner, Lehrerin für Englisch in der Sprachklasse. Zumindest sie schaut den bevorstehenden Tagen deshalb gelassen entgegen: „Ich denke, die Schüler sind gut vorbereitet. Wir brechen nicht in Panik aus, wir wissen, wie‘s läuft.“ Im Vergleich zum alten System, bei dem es um Fachwissen ging, um das Abfragen von auswendig gelernten Inhalten, sei nun Sprachkompetenz gefragt. „Die Schüler müssen sich ausdrücken können, dafür braucht es unter anderem auch Vokabelkompetenz.“ Die Art und Weise des Englischunterrichts habe sich jedenfalls grundlegend geändert. „Es ist alles viel realitätsnaher als früher.“

Das Innsbrucker Reithmanngymnasium gehört zu den wenigen Pilotschulen in Tirol, an denen – zumindest in zwei von fünf Maturaklassen – auch die mündliche Englisch-Reifeprüfung nach den neuen Maßstäben durchgeführt wird. Die anderen Klassen hätten sich bei einer Abstimmung noch dagegen ausgesprochen, im kommenden Schuljahr werden aber alle mit dabei sein, sagt Ina Hacksteiner.

Die meisten Klausuren werden im Reithmanngymnasium übrigens im großen Turnsaal geschrieben: Rund hundert Schüler haben dort Platz. Direktor Max Gnigler: „So haben wir die bessere Kontrolle, ob auch alles richtig abläuft.“

Für alle, die sich schon gleich danach fragen werden „Und was jetzt?“ hat Landesschulratspräsident Hans Lintner eine Antwort parat: „Ihnen stehen alle Bildungswege offen.“ Denn auch hier gibt es einen Trend: Immer mehr Maturanten bilden sich nach ihrer Schulzeit an einer Universität weiter. Bei Absolventen berufsbildender höherer Schulen (BHS) sind es außerdem überraschend viele, die sich für ein völlig fremdes Fach entscheiden.

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