Natur

Statist als Rolle seines Lebens

Weder Bergdoktor noch SOKO Kitz noch Pfarrer Braun kommen ohne ihn aus: Der Absamer Hartmann Murschetz ist Dauergast bei Dreharbeiten. Und hat noch einiges vor.

Von Christoph Mair

Absam –Jeden Moment könne das Telefon läuten und die Agentur Creative Creatures ihn für eine neue Filmproduktion als Komparsen buchen, erzählt Hartmann Murschetz in seiner Wohnung in Absam. Dann stehe er innerhalb von zwei Tagen wieder irgendwo in Tirol vor der Kamera.

Und auch wenn während des TT-Interviews das Telefon stumm bleibt, glaubt man dem 70-Jährigen sofort, dass er ein gefragter Statist für Filmproduktionen in und um Tirol ist. Kisten mit Zeitungsberichten und Unmengen von Fotos mit deutschen und österreichischen Schauspielern beweisen es. „Ich bin mittlerweile bei rund 70 Produktionen dabei gewesen“, erzählt der pensionierte Bäcker- und Konditormeister. Angefangen habe alles mit dem Hofer-Film „Die Freiheit des Adlers“. Dort sieht man Murschetz kaffeetrinkend an einem Fenster in der Altstadt, bevor ihn Tiroler Kämpfer wegreißen, um das Feuer der Bayern auf der Straße zu erwidern.

Seitdem hat den Absamer das Filmgeschäft nicht mehr losgelassen. „Ich mag nicht nur herumsitzen“, sagt der alleinstehende Pensionist. Bei den Dreharbeiten komme er herum – „an Orte, von denen ich nicht einmal gewusst habe, dass es sie gibt“ – und treffe interessante Menschen. „Ich sehe mich auch gern im Fernsehen“, schmunzelt Murschetz und weiß, dass er dabei recht gute Figur macht – im wahrsten Sinn des Wortes. Seine Körperfülle brachte ihm auch seinen bisherigen „Karrierehöhepunkt“ als Double für Ottfried Fischer in der Krimiserie „Pfarrer Braun“ ein. Der Tiroler Murschetz hat den Bayern Fischer u. a. auf dem Innsbrucker Flughafen oder auf der Zugspitze – ohne Text – gedoubelt. Dafür musste auch der Schnurrbart ab. Für Murschetz kein Problem, für den Film würde er alles tun, lacht er: „Sogar nackt.“ Denn er hat die Schauspielerei, auch wenn es bislang nur um kleine Statistenrollen geht, zu seiner Lebensaufgabe gemacht. „Solange ich lebe, möchte ich das machen.“ Eine stetige Steigerung von Ausmaß und Anforderung der Rollen wäre dabei auch noch schön, merkt der Absamer an. „Jetzt bin ich ja schon mal Double“, scherzt Murschetz und meint, er fühle sich „wie 25“. Zuletzt war der Tausendsassa u. a. bei der Produktion von „Ludwig II.“ dabei und auch beim Dreh von „K2 – The Italian Mountain“ in Innsbruck war er mit von der Partie. Allerdings nicht vor der Kamera, sondern als Betreuer für die Wohnwagen der Schauspieler. Zum ersten Mal. Wieder eine Premiere.

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