Bühne

Hamlet kehrt als Leutnant zurück

Der Wiener Schauspieler Christian Dolezal fungiert als Erzähler in Schnitzlers „Spiel im Morgengrauen“.

Von Alexandra Plank

Innsbruck –Acht Jahre sind eine lange Zeit. So lange ist es her, dass Christian Dolezal, der am Tiroler Landestheater unter anderem als Hamlet Erfolge feierte, Tirol den Rücken gekehrt hat. Nun kehrt er zurück. Ab 15. Mai (10 Uhr) ist er beim Uderner Theaterfestival „Steudltenn“ zu sehen. Er zeigt „Spiel im Morgengrauen“ von Arthur Schnitzler als Novellentheater in fünfzehn Runden. Dolezal führt als Erzähler durch die Geschichte, Regie führt Hermann Beil. Thomas Bernhard widmete dem Regisseur drei Dramolette, die unter dem Titel „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“ erschien.

Die Novelle „Spiel im Morgengrauen“, die 1927 veröffentlicht wurde, zählt neben „Leutnant Gustl“ und „Fräulein Else“ zu den besonderen Schätzen im Erzählwerk von Schnitzler. In ihr zeigt der Dichter mit unbestechlicher Genauigkeit, wie die Macht des Geldes das Leben eines Menschen zerstören kann. Das Stück wurde Dolezal auf den Leib geschneidert und führte ihn unter anderem auf eine Balkantournee. „Das war schon ein wenig absurd, als wir das in albanischen und mazedonischen Dörfern gespielt haben. Die Leute waren aber trotzdem hingerissen“, so Dolezal im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Teilweise hätte die deutschsprachige Minderheit den anderen den Text während der Vorstellung lautstark übersetzt. „Das war dann natürlich keine konzentrierte Atmosphäre, aber ich habe mich als Botschafter der österreichischen Literatur gefühlt“, erklärt Dolezal.

Schnitzler ist der Lieblingsautor des Wiener Schauspielers, der den Fernsehzusehern aus der ORF-Comedy „Schlawiner“ bekannt ist. Das Format wurde beim WorldMediaFestival mit dem intermedia-globe-Gold in der Kategorie „Comedy“ ausgezeichnet. Zudem spielt Dolezal im Stück „Iba de gaunz oamen Leit“ nach Gedichten von Christine Nöstlinger, bei dem er auch federführend für die Musik verantwortlich zeichnete. Dolezal war Gitarrist und Gründungsmitglied der Sofa Surfers und träumt davon, wieder eine Band zu gründen. Eine Rückkehr ans Tiroler Landestheater erwägt er nicht, obwohl er zugesteht, dass er dort zum Schauspieler gereift sei.

Auf sein Gastspiel freut er sich. „Es ist eine thrillerhaft aufgebaute Geschichte über das Schicksal. Das Stück ,Spiel im Morgengrauen‘ beschreibt, dass es wohl keine Zufälle geben kann.“ Nicht nur zufällig hat Dolezal Tirol den Rücken gekehrt: „Jahrzehntelang am selben Theater zu sein, das würde mich lähmen.“

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