Weltpolitik

Amnesty International lehnt Boykott von Fußball-EM in Ukraine ab

Vielmehr sollten Politiker und Sportfunktionäre in dem Land „die Gelegenheit nutzen, um auf die schweren Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen und von der ukrainischen Regierung einen besseren Menschenrechtsschutz fordern“, sagte der Generalsekretär von Amnesty.

Düsseldorf – Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hält einen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine für falsch. Vielmehr sollten Politiker und Sportfunktionäre in dem Land „die Gelegenheit nutzen, um auf die schweren Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen und von der ukrainischen Regierung einen besseren Menschenrechtsschutz fordern“, sagte der Generalsekretär von Amnesty in Deutschland, Wolfgang Grenz, am Donnerstag der Onlineausgabe des „Handelsblatts“. Ebenso sollten Sportler und Fans überlegen, wie sie für Menschenrechte in der Ukraine eintreten könnten.

Dabei dürfe es aber nicht nur um die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko gehen, sagte Grenz dem Portal. „In der Ukraine werden regelmäßig Festgenommene von der Polizei geschlagen, es gibt Berichte über Folter zur Erpressung von Geständnissen“, fügte er hinzu. Menschen, die Polizeiübergriffe oder Korruption anprangerten, würden mit konstruierten Anschuldigungen überzogen und mit Gewalt bedroht. Bei der EM dürften „Folter, Zensur und Unterdrückung von Oppositionellen“ daher nicht einfach ignoriert werden, sagte Grenz.

Zuvor hatte die EU-Kommission mitgeteilt, der EM angesichts des Umgangs der ukrainischen Regierung mit der Oppositionschefin Timoschenko geschlossen fernbleiben zu wollen. Aus Protest gegen ihre Behandlung in einem Gefängnis im Osten des Landes forderten bereits viele Politiker einen Boykott der Fußball-EM in der Ukraine, die ab dem 8. Juni gemeinsam mit Polen Gastgeberland ist. Wie führende Politiker aus anderen EU-Staaten wollen auch österreichische Regierungspolitiker keine EM-Spiele in der Ukraine besuchen

Die an Bandscheibenproblemen leidende Timoschenko verbüßt in der Ukraine eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Sie protestiert seit dem 20. April mit einem Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen und hält ihre Strafe für politisch motiviert. Die deutsche Bundesregierung bietet der Ukraine seit geraumer Zeit an, Timoschenko in Deutschland behandeln zu lassen. (APA/AFP)

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