Ukraine

Timoschenkos Zustand sehr schlecht, Ukraine droht Deutschland

Timoschenko kann sich offenbar nicht einmal mehr bewegen. Trotzdem will sie ihren Hungerstreik aufrecht erhalten.

Kiew/Berlin – Der Gesundheitszustand der hungerstreikenden ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko hat sich nach Einschätzung ihrer Tochter weiter verschlechtert. „Sie ist viel schwächer, als sie noch vor ein paar Tagen war“, sagte Jewgenija Timoschenko, die ihre Mutter nach eigenen Angaben am Donnerstag im Gefängnis besucht hatte. Sie müsse liegen und könne sich „praktisch gar nicht bewegen“.

Die Bitten der Familie, den Hungerstreik zu beenden, seien bisher erfolglos. „Sie hat aus verschiedensten Gründen ein Interesse an diesem Hungerstreik“, sagte die 32-jährige Jewgenija Timoschenko.

Die Inhaftierung der früheren Ministerpräsidentin hat in Europa zu einem Konflikt im Umgang mit der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine und Polen geführt. Alle Mitglieder der EU-Kommission haben angekündigt, der Veranstaltung fernzubleiben.

Ukraine droht Deutschland mit Konsequenzen

Die Ukraine hat Deutschland indessen mit wirtschaftlichen Konsequenzen gedroht. „Ohne Abkommen wird der deutsche Zugang zum ukrainischen Markt begrenzt sein“, sagte der für Außenpolitik zuständige Vizepräsident der ukrainischen Regierungspartei, Leonid Koschara, am Freitag „Spiegel Online“ im Hinblick auf das derzeit auf Eis liegende EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine. „Deutsche Hersteller werden verlieren.“

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hatte zuvor erklärt, ohne Rechtsstaatlichkeit könne das EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine nicht ratifiziert werden. „Mir scheint, dass der Fall Timoschenko für einige Politiker im Westen einen sehr persönlichen Charakter trägt“, sagte Koschara. Berlin empfinde das Scheitern der von Timoschenko geführten „Orangen Revolution“ offenbar als „persönliche Niederlage“.

Zugleich verteidigte Koschara den Umgang der ukrainischen Behörden mit Timoschenko. In ihrer Zeit als Regierungschefin habe die Politikerin „verbrecherisch“ gehandelt und der Ukraine 2009 „kolossalen Schaden“ bei Gasverhandlungen mit Moskau zugefügt.

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