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Autistische Schüler besser fördern

„Tag des Autismus“ in Innsbruck: Die Tiroler Autistenhilfe fordert Assistenten als Helfer in Regelschulen.

Von Elke Ruß

Wien, Innsbruck –Das Meinhardinum in Stams lehnt eine Zehnjährige mit Asperger-Syndrom als AHS-Schülerin ab, ein autistischer Innsbrucker (9) wird von den Behörden fast vier Monate aus der Volksschule gerissen: Jüngste Beispiele wie diese sind keine Einzelfälle und die Zahl der Betroffenen steigt: Rund ein Prozent der Weltbevölkerung weist eine Autismusstörung auf. Für Tirol ermittelte die Sozialabteilung 2010 rund 300 Kinder im Vorschulalter und insgesamt 7700 Betroffene, berichtet Ellen Mayr Vons von der Autistenhilfe.

Nicht nur bei der Integration in die Regelschule tut sich Tirol hart. Für die Diagnosestellung bei Kindern gebe es an der Klinik eine Warteliste und für Erwachsene gar keine zuständige Stelle, beklagt Mayr Vons.

Betroffene Kinder sind teils hochintelligent, haben aber oft Probleme mit Sozialkontakten, sie pflegen fixe Rituale, jede Veränderung irritiert sie. In den Schulen herrsche „extreme Verunsicherung“, weiß Mayr Vons nicht nur von Lehrern. Letztlich befürchten Eltern beider Seiten, dass ihr Kind zu kurz kommt.

Autistische Kinder tun sich schwer mit der unstrukturierten Pause – bzw. in höheren Klassen mit dem steten Lehrer- und Raumwechsel, ergänzt Brigitte Mörwald von der Integrationsberatung im Wiener Stadtschulrat. Helfen könne da z. B. ein Platz mit Blick zur Wand, ein zeitweise aufgestellter Paravent, der Zugang zur Bibliothek in der Pause. Wichtig seien gute Fortbildungen für Lehrer und die Aufklärung der Eltern und Kinder. Letztere hätten meist „das geringste Problem“.

Wien ist insgesamt viel weiter: 176 autistische Kinder besuchen Integrationsklassen, für Herbst sind 44 neu angemeldet. Möglich ist dies auch, weil Pädagogikstudenten (teils im Rahmen von Pflichtpraktika) als günstige Assistenten organisiert werden. Rund ein Viertel der autistischen Kinder hat zwei bis 25 Wochenstunden Betreuung im Unterricht, die über den Fonds Gesundes Wien finanziert werden. Als Wermutstropfen nennt Mörwald den häufigen Wechsel der Studenten und gedeckelte Mittel. Diese Assistenten arbeiten auf Anleitung der Sonderpädagogin in der Integrationsklasse, insofern könnte sich Mörwald in Kooperation mit dem AMS auch „ein neues Berufsfeld“ vorstellen.

Über das Wiener System informiert heute eine Fortbildung („Tag des Autismus“), den die Autistenhilfe im Medizinzentrum Anichstraße der Innsbrucker Klinik veranstaltet: Der Vortrag (8.40 Uhr) und ein Film über das Betreuungskonzept Mifne (9.45 Uhr) sind frei zugänglich. Der Workshop ist mit 50 Teilnehmern übervoll, „es kommt auch der Direktor des Meinhardinums“, freut sich Mayr Vons.

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