Film und TV

Kaleidoskop für die Ohren

Django Django verstehen es ausgezeichnet, aus Altem etwas Neues zu machen. Das macht sie zu etwas Besonderem.

Von Sabine Theiner

Innsbruck –Django. Also Reinhardt. Jean „Django“ Reinhardt. Das ist der Vater des europäischen Jazz. Wenn sich eine Band Django Django nennt, ist das eine Ehrerbietung an diesen großen Musiker. Vielleicht hat den Schotten auch die Verdoppelung gefallen, wie bei Talk Talk oder Duran Duran. Zumindest ist das gleichnamige Debütalbum Herrn Reinhardt gewidmet.

Django Django, das sind Vincent Neff (Gesang, Gitarre), Jimmy Dixon (Bass), Tommy Grace (Keyboards) und David Maclean (Drums). Die vier haben sich an der Kunsthochschule in Edinburgh kennen gelernt und sind sich später in London wieder über den Weg gelaufen. Angeblich haben sie sich dort jahrelang im Zimmer von Bandleader Mclean verkrochen, um in aller Ruhe an ihrem Sound zu tüfteln. Für ihre Feldforschung hatten sie also viel Zeit und es boten sich ihnen schier endlose Möglichkeiten, ihre exzentrische Musik zu formen. Das Debüt der Band ist ein schillerndes, eklektisches Sammelsurium aus allen nur erdenklichen Musikstilen geworden, ein Kaleidoskop für die Ohren.

Der Clou am Django-Django-Sound ist, dass er wie etwas klingt, das es schon einmal gegeben hat, das man kennt, aber dennoch anders. Wie die Single „Default“, ein Ohrwurm erster Güte. Man fühlt sich erinnert – nur an was? Der forsche Tribal Beat wird mit Rock’n’Roll-Anleihen, Old School Hip Hop, Franz-Ferdinand-Gitarren und Dance-Rhythmen verzahnt, was den Track gleich waghalsig wie unerhört macht.

Die Band bedient sich hemmungslos im Bauchladen der jüngeren Musikgeschichte und bastelt aus den verschiedensten Bausteinen ein neues, spannendes und stimmiges Ganzes. Stile, die eigentlich nicht zusammengehören, gehen eine frische und erfrischende Symbiose ein: Achtziger-Pop, Rock’n’Roll, Dub, Afro, Krautrock, Psychedelia, Synthie, orientalisches Gedudel, brasilianische Rhythmen usw. – alles da und alles passt zusammen. Man hört Verweise zu zig Bands heraus: Den Talking Heads, den Byrds, den Beach Boys, Deep Purple, Brian Eno, Hot Chip, The Animal Collective und besonders zu The Beta Band. Vielleicht liegt das ja an der familiären Verbindung, denn der ältere Bruder vom Django-Bandleader ist der Keyboarder der Betas.

Django Django schöpfen aus dem Vollen und liefern ein spannendes Album. Ein Minus gibt’s aber für das grässliche Cover. Bitte bloß nicht davon abschrecken lassen: Augen zu, Ohren auf.

Verwandte Themen