Natur

Waidmanns-Zank in Tirol

Im Jägerverband mit 16.000 Mitgliedern gärt es. Mit dem Nein zur Jagdnovelle gelang Landes-jägermeister Berktold ein Befreiungsschlag, doch die Bruchlinien verlaufen kreuz und quer.

Von Peter Nindler

Innsbruck –Es wird scharf geschossen – intern wie extern. Schon seit Jahren präsentiert sich die Führung des Tiroler Jägerverbandes als zerrissene Jagdgesellschaft. Einzig die jetzt abgelehnte Jagdgesetznovelle, die auf eine Wildstandsreduktion abgezielt hat, eint den Verband und bildet eine brüchige Klammer. Dass Landesjägermeister Karl Berktold derart massiv in die Offensive geht und offen anprangert, bei der Letztfassung der Novelle vom Land hintergangen worden zu sein, wird im Jägerverband als Versuch gewertet, Stärke nach innen zu zeigen. Denn die Bruchlinien innerhalb der Jägerschaft verlaufen mittlerweile kreuz und quer.

Bereits bei seiner Wahl vor vier Jahren gab es Missmut über den Wahlmodus, seither wurde Berktold immer wieder vorgeworfen, dass er zu politikhörig sei. Gemeint ist damit, dass Agrarreferent LHStv. Toni Steixner (VP) zunehmend mehr Einfluss im Jägerverband erhalten hat. Vor allem im Bezirk Innsbruck Land wird ins Jagdhorn geblasen. Der ehemalige Rechtsreferent im Jägerverband Martin Zanon, ein wegen der Agrargemeinschaftsfrage erklärter Steixner-Kritiker, zog und zieht im Hintergrund die Fäden. Die vom Land eingemahnten Abschusszahlen und die geforderte Wildstandsreduzierung von 30.000 auf 20.000 Stück sorgen für zusätzlichen Zündstoff. Dass Zanon nicht der Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung des Jagdgesetzes angehörte, brachte das Fass schließlich zum Überlaufen.

Der Rechtsreferent machte politischen Druck dafür verantwortlich und trat zurück. Berktold warf Zanon Feindbildpolitik vor und dass er den Vorstand des Jägerverbandes kippen wollte. Die Trennlinien waren gezogen und der Konflikt schwelt seither im Hintergrund. In der Ablehnung der Tiroler Jagdnovelle besteht hingegen breite Übereinstimmung im Verband, weil aus der Sicht der Jäger die Abschussplanung so nicht nachvollziehbar ist.

Obwohl Berktold jetzt in aller Schärfe gegen die Novelle vorgeht, wird ihm das als Schwäche ausgelegt. Schließlich sei er ja seit 2010 am Verhandlungstisch gesessen, heißt es. Gleichzeitig eröffnet der Landesjägermeister mit seiner Kritik an Steixner und der Landeslandwirtschaftskammer ein weiteres Konfliktfeld: jenes mit der Landwirtschaft. Und das, obwohl Landwirtschaft und Jagd in Tirol traditionell eng miteinander verbunden sind.

Offen wurde zuletzt über die Einberufung einer außerordentlichen Vollversammlung diskutiert, federführend ist dabei erneut der Bezirk Innsbruck Land. Bezirksjägermeister Thomas Messner bestätigt die Unzufriedenheit im Verband und dass es „unterschiedliche Strömungen gibt“. Die Probleme könnten nur mit einer neue Führungsmannschaft gelöst werden. Die Revolution wurde aber abgeblasen, weil sich derzeit keine Mehrheit dafür abzeichnet. Messner selbst bezeichnet sich als Aufmüpfiger, „aber es müssen endlich neue Strukturen geschaffen werden“. Man müsse eben bis zur Neuwahl 2014 warten.

Innerhalb des Jägerverbandes ist die Gruppe um Messner wegen ihrer Gangart umstritten, Berktold steht als Landesjägermeister trotzdem unter Druck. Berktold verteidigt seine scharfe Kritik an der Politik und der Landwirtschaftskammer. „Unser Bezirksjägermeister in Landeck durfte nicht einmal einen Leserbrief in den landwirtschaftlichen Blättern veröffentlichen, obwohl dort viele Unwahrheiten geschrieben wurden.“ Die Verantwortungsträger im Land sollten wissen, wie die Wahrheit aussehe. „Der Entwurf für die Jagdnovelle war so nicht vereinbart.“ Keinesfalls sei der Jägerverband gespalten, „alle Beschlüsse in den vergangenen Jahren sind entweder einstimmig oder mit breiter Mehrheit gefasst worden.“

Die ständigen Störversuche, „die oft unter der Gürtellinie sind“, führt Berktold auf ein enttäuschtes ehemaliges Vorstandsmitglied zurück. Mit der Bauernkammer werde man sich letztlich wieder um eine gute Gesprächsbasis bemühen.

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