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Angriffe auf alles Selbstverständliche

Innsbruck – Herny David Thoreau, dessen 150. Todestag sich heute jährt, war vieles: Havard-Absolvent, Lehrer und Schulgründer, Bleistiftfabr...

Innsbruck –Herny David Thoreau, dessen 150. Todestag sich heute jährt, war vieles: Havard-Absolvent, Lehrer und Schulgründer, Bleistiftfabrikant und Landvermesser. Heute ist er vor allem eines, der berühmteste Einsiedler der Literaturgeschichte. 1845 zog er sich für zwei Jahre in eine Blockhütte zurück und suchte dort ein Leben abseits der sich zunehmend industrialisierenden Welt. In „Walden oder Leben in den Wäldern“ schrieb er seine Erfahrungen nieder – und legte damit den Grundstein für die konsumkritischen und ökologischen Bewegungen späterer Jahrzehnte.

Dem Text „Die Wildnis von Maine“, den Alexander Pechmann nun erstmals ins Deutsche übertragen hat, liegt eine Reise zu Grunde, die Thoreau später, nach seiner Rückkehr in die Zivilisation, gemacht hat. Zusammen mit dem Indianer Joseph Polis, der so gar nichts mit den gängigen Lederstrumpf-Bildern zu tun hat, durchstreift Thoreau die unzugänglichen Urwälder von Maine im äußersten Nordosten der USA. Seinem Begleiter und dessen „woodcraft“, der instinktiven Fähigkeit eins zu werden mit einer scheinbar fremden und lebensfeindlichen Wildnis, setzt der Autor hier ein Denkmal. Eigentlich waren Thoreaus Notizen nicht für die Veröffentlichung bestimmt. Gerade deshalb wirken sie ungekünstelt und präzise. Das strenge formale Korsett, in das Thoreau seinen „Walden“ gezwängt hat, sucht man hier vergebens.

Thoreaus weitreichende Wirkkraft unterstreicht auch das Pamphlet „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“. Kein Geringerer als Helmut Qualtinger hat diesen wortgewaltigen Angriff auf alles Selbstverständliche, das die Freiheit des Individuums beschneidet, 1969 eingelesen. Der Diogenes Verlag hat diesen Schatz, der Gefahr lief in den Archiven zu verstauben, gehoben und ihn als Hörbuch herausgebracht. (jole)

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