Verwobene ästhetische Prozesse

In der Stadtgalerie Schwaz werden die Produktionsbedingungen von Kunst hinterfragt.

Von Edith Schlocker

Schwaz –„Ändere dich, Situation!“, fordert Eva Maria Stadler, die Leiterin der Galerie der Stadt Schwaz, in der von ihr kuratierten Schau. Entlehnt hat sie diesen kämpferischen Sager dem Stück „www-slums“ des deutschen Autors und Regisseurs René Pollesch. Was dieser in seiner „Anti-Seifenoper“ auf der Bühne dramatisiert, versucht Stadler in galeristischem Umfeld: Das Hinterfragen künstlerischer Produktionsprozesse vor dem Hintergrund der Arbeitsbedingungen der Kreativen. Nicht nur der ökonomischen, sondern auch der politischen und gesellschaftlichen.

Ein hochgestecktes Ziel, das die Schwazer Schau leider nur in Ansätzen erfüllen kann. Zu viele – insgesamt 17 – künstlerische Positionen sind hier aneinandergereiht, oft mit einzelnen Arbeiten, die nur im Wissen um den Kontext des Gesamtwerks ihrer Schöpfer logisch erscheinen.

Die Frage von Verantwortlichkeit bzw. dessen fragwürdiges Delegieren wirft am eindrucksvollsten Harun Farocki in seinem Film „Wie man sieht“ auf. Wo durch exakte Schnitte scheinbar Nicht-Zusammengehöriges zu einer alles umfassenden Einheit verwächst.

Das Verweben/Vernähen unterschiedlichster Materialien realer wie imaginärer Art durchzieht als Metapher die ganze Schau. Ganz unmittelbar in der Serie „Studio“ von Michaela Melián, die in den Fünfzigerjahren in den Münchner Siemensstudios gemachte Fotos mit einer computergesteuerten Nähmaschine übernäht hat. Um auf diese Weise die hier aufgenommene Musik von John Cage oder Mauricio Kagel visuell zum Klingen zu bringen.

Resignativ kommt dagegen der Ansatz von Verena Dengler daher, wenn die junge Künstlerin stickt, näht, bastelt, um die Praktiken der Vermarktung von Kunst ironisch auf die Schaufel zu nehmen.

Extra für Schwaz haben Rens Veltman eine große Wandarbeit und Peter Raneburger eine Reihe poetischer kleiner Malereien gemacht.