Natur

Tirol in der Verkehrsfalle

Wie kann man die grenzüberschreitende Verkehrslast verringern? Das beschäftigt Euregio-Vertreter diese Woche in Innsbruck. Die Brennerbahnsperre ist da keine Hilfe.

Von Elke Ruß

Innsbruck –Über den Brenner werden jedes Jahr 41,9 Millionen Tonnen Güter gekarrt – um 1,8 Mio. Tonnen mehr als über sämtliche Schweizer Alpenübergänge. Und heuer kommt es für Tirol noch dicker: Im Dezember hob der Europäische Gerichtshof zum zweiten Mal das sektorale Fahrverbot auf, das den Transport bestimmter Güter (z. B. Pkw, Müll, Eisen) auf die Schiene zwang. Die Folge sind weitere Lkw auf der Straße (siehe Kasten) – und es werden noch mehr, denn im Juni startet die Sanierung der Brennerbahnstrecke mit Teilsperren und einer fünfwöchigen Totalsperre ab August.

Damit ist „die Verringerung des grenzüberschreitenden Verkehrs und der Umweltbelastungen“ als Thema der Euregio-Verkehrstagung am 10. und 11. Mai in Innsbruck brandaktuell. Die Experten werden sich mit „juristischen Möglichkeiten der Verkehrssteuerung“ befassen, erklärt Leo Satzinger, der oberste Verkehrsplaner des Landes Tirol. „Besonders spannend“ werde die „Öffnung des Schienenmarktes.“

Noch keineswegs abgehakt ist auch das sektorale Fahrverbot: „Ziel muss es sein, die Maßnahme so abzusichern, dass auch für den EuGH erkennbar ist, dass sie mit den Nachbarn bestmöglich abgestimmt ist. Diesmal haben wir einen Vorteil“, betont Satzinger: „Wir haben gezeigt, dass ein sektorales Fahrverbot funktioniert. Die Wirtschaft ist nicht zusammengebrochen!“

Eher „gelassen“ sieht er hingegen das Gespenst der Alemagna – Italiens Regierung hat sich ja für den Weiterbau der A 27 von Belluno Richtung Osttiroler Grenze ausgesprochen: „Wenn Österreich nicht weiterbaut, hat das relativ wenig Sinn.“

Als „dramatisch“ wertet Satzinger hingegen die 25 Prozent Einbruch bei der RoLa. Die Frage sei auch, wie weit mit der Bahnsperre dann auch solche Frächter dauerhaft auf die Straße abspringen, die ihr System mit vielen Investitionen auf Bahncontainer umgestellt hatten.

Wie glaubwürdig kann Tirol bzw. Österreich bei den Nachbarn überhaupt sein, wenn es stets über die Lkw-Belastung stöhnt, die ÖBB dann aber die Brennerstrecke zeitweilig sperren? Er glaube nicht, dass dies „als politisches Signal und Sympathiebeweis für die Straße gesehen wird“, sagt Fritz Staudigl, Leiter der Tiroler Arge-Alp-Geschäftsstelle, wo im Juli der Vorsitz hinwandert. „Es geht wohl nicht anders, um die Bahnstrecke effizient betreiben zu können, solange es den Tunnel nicht gibt.“ Die Gefahr, dass man Frächter „auf den Geschmack bringt“, bahnfahrende Güter wieder auf die Straße zu verlagern, sieht Staudigl aber schon.

Auch in der Arge Alp unter Tiroler Führung wird der Verkehr – wie schon vor 40 Jahren bei ihrer Gründung – ein Schwerpunktthema sein. Anders als etwa zur Zeit von Österreichs EU-Beitritt 1995 gebe es für die Transitproblematik heute aber „von deutscher und EU-Seite mehr Verständnis“, sagt Staudigl. In der EU setze sich zudem immer mehr der Gedanke von Großregionen (Makroregionen wie Ostsee und Donauraum) durch. Unter der Tiroler Arge-Alp-Führung (bis Mitte 2013) werde es auch darum gehen, „dass die Makroregion Alpenraum in der Verkehrsfrage eine gemeinsame Strategie entwickelt“.

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