Natur

Festnahme im Mordfall Auer

Über zwei Jahrzehnte blieb die Ermordung einer Tiroler Rotlicht-Größe ungeklärt. Doch jetzt hat die Polizei einen Verdächtigen im Visier. Der Mann wurde festgenommen.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Wer ermordete im Oktober 1990 den stadtbekannten Innsbrucker Zuhälter Anton Auer? 22 Jahre blieb diese Frage offen. Doch jetzt hoffen Ermittler des Landeskriminalamtes, die Frage beantworten zu können. Und zwar mit Hilfe eines 51-jährigen Innsbruckers. Der Mann wurde am Donnerstag vorläufig festgenommen. Die Nacht zum Freitag verbrachte der Verdächtige im Innsbrucker Polizeigefängnis. Seine Verbindung zum Mordopfer: Der heute 51-Jährige hatte nach dem gewaltsamen Tod des Zuhälters eine langjährige Beziehung zur Witwe, einer mittlerweile verstorbenen Prostituierten.

Rückblende: Am 31. Oktober 1990 wunderte sich die Tante von Anton Auer, warum in dessen Haus in der Lohbachsiedlung das Licht brennt, der Neffe aber die Tür nicht öffnet. Die Frau rief den Schlüsseldienst in die Reihenhausanlage.

Als die Entriegelungs-Experten die Haustür aufsperrten, stießen sie im Flur auf die Leiche der Rotlicht-Größe. Der nur mit einem Bademantel bekleidete Anton Auer lag in seinem eigenen Blut.

Todesursache: mehrere Schüsse aus nächster Nähe in den Kopf und in den Oberkörper. Todeszeitpunkt: wahrscheinlich der Abend des 30. Oktober.

Die Kripo-Beamten vermuteten damals, dass Auer seinen Mörder kannte und daher trotz später Stunde im Bademantel die Tür öffnete.

Eine Erkenntnis, die den Beamten nicht weiterhalf. Auer hatte viele Bekannte und wohl fast ebenso viele Feinde. Der 41-Jährige lebte neben der Zuhälterei von der Not anderer, er verlieh Geld an jene, die längst nicht mehr kreditwürdig waren. Allerdings zu Wucherzinsen, die Zahlungsmoral der Schuldner hob Auer mit Drohungen und wohl auch mit Gewalt.

Um den Überblick über seine umfangreichen Kreditgeschäfte zu bewahren, führte der Rotlicht-Banker exakt Buch. Nach dem Mord waren diese Aufzeichnungen allerdings wie vom Erdboden verschluckt. Entsprechend vermuteten die Ermittler damals den Täter im Kreis der Schuldner.

Im Milieu war Auer „der Mann mit dem goldenen Fuß“. Ein Spitzname, den sich der Innsbrucker regelrecht „erhumpelte“. Der 41-Jährige soll jahrelang Knochenkrebs vorgetäuscht haben und auf Krücken gegangen sein, um sich Sozialhilfe zu erschleichen.

Nicht nur die fehlenden Geschäftsunterlagen, sondern auch die Tatwaffe gab den Ermittlern Rätsel auf. Wie die Untersuchung der Projektile ergab, war Auer mit einer tschechischen 7,65-Millimeter-Pistole ermordet worden. Der Täter dürfte einen Schalldämpfer verwendet haben, zumal die Schüsse von den Nachbarn unbemerkt blieben.

Schon nach wenigen Ermittlungstagen war klar: Auer dürfte mit seiner eigenen Waffe erschossen worden sein. Die Kriminalisten fanden heraus, dass der Geldverleiher eine Pistole desselben Kalibers inklusive Schalldämpfer in seinem Besitz hatte. Zumindest bis wenige Monate vor seinem Tod – die Waffe ist bis heute verschollen.

Dass der Mordfall schwer zu klären sein wird, war von Anfang an klar. Bereits fünf Tage nach der Auffindung der Leiche setzten die Behörden eine Belohnung von 50.000 Schilling für entscheidende Hinweise aus. Vergebens – niemand konnte oder wollte der Kripo mit einem Tipp weiterhelfen.

Auers Ehefrau, eine stadtbekannte Edelprostituierte, kam als Täterin nicht in Frage. Die Witwe konnte das beste Alibi der Welt vorweisen – sie saß zum Tatzeitpunkt im Polizeigefängnis.

Inzwischen ist Auers Frau ebenfalls gestorben. Die 48-Jährige wurde im Sommer 2010 tot in ihrem Innsbrucker Haus gefunden.

Das Landeskriminalamt überprüfte den Fall, Gerichtsmediziner untersuchten die Leiche. Ergebnis: kein Fremdverschulden, die Frau war an einer natürlichen Ursache gestorben.

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