Test

Noch mehr Auto für weniger Geld

Dacias nächster Preisbrecher trägt die Bezeichnung Lodgy: Der Kompaktvan bietet Platz en masse und schont die Brieftaschen – sofern die Kundschaft die Genügsamkeit der Basisausführung wertschätzt.

Von Markus Höscheler

Marrakesch –Die Rumänen entsenden gelegentlich Gefährliches nach West- und Mitteleuropa. Im 19. Jahrhundert war es, noch fiktional, Graf Dracula, basierend auf dem Walachenfürsten Vlad Tepes, der mit blutsaugender Rührigkeit Ängste auslöste. Vampirjäger Van Helsing beschied seinem Spuk schließlich ein blutiges Ende. Im 20. Jahrhundert, dieses Mal real, trumpfte der Rumäne Gheorghe Hagi mit fußballerischem Können derart auf, dass Traditionsclubs wie Real Madrid und FC Barcelona auf ihn aufmerksam wurden. Dem Alpen-Maradona stand lediglich die eigene Exzentrik im Weg. Und im 21. Jahrhundert lehrt schließlich die rumänische Automarke Dacia eingesessenen Herstellern das Fürchten – mit einem Preis-Leistungs-Verhältnis, das die Branche in Atem hält.

Innerhalb von acht Jahren setzte die Tochtermarke der Allianz Renault-Nissan gut zwei Millionen Exemplare ab: Logan, Sandero und Duster brachten und bringen Wirbel in ihre Segmente – das ist auch die Aufgabe des Lodgy, der im Juni an den Start geht. Er ist ein schnörkellos, aber nicht fad gezeichneter Kompaktvan mit einer Länge von 4,5 Metern. Die Formensprache allerdings hat gegenüber dem Raumangebot und der Variabilität das Nachsehen: Der Lodgy ist als Fünf- oder Siebensitzer zu haben. Und als solcher lässt er eine Menge von Falt- und Ausbaumöglichkeiten der zweiten und dritten Sitzreihen zu. Je nach Konfiguration schwankt das Ladevolumen zwischen 207 bis 2617 Litern. Die Fahrt zum örtlichen Möbelhändler braucht der Lodgy-Pilot folglich nicht zu scheuen – das gilt erst recht im Zusammenhang mit den für den Lodgy angebotenen Motoren.

Vier Triebwerke hat der Hersteller zunächst vorgesehen – dabei treffen wir auf Altbekannte gleichermaßen wie auf Neuentwicklungen. Zum Dacia-Programm zählt der 1,6-Liter-MPI-Vierzylinder-Benziner, der 82 PS leistet und einen Durchschnittsverbrauch von 7,1 Litern je 100 km (CO2-Ausstoß: 165 g/km) ausweist. Ab Herbst lieferbar ist ein moderner 1,2-Liter-Turbobenziner mit 115 PS, raschem Ansprechverhalten und zurückhaltendem Spritkonsum (5,8 l/100 km, CO2: 135 g/km).

Zwei Turbodiesel mit 1,5 Litern Hubraum und einer Leistung von 90 bzw. 107 PS stehen für das Selbstzünder-Angebot. Ihr Nenndrehmoment von 200 bzw. 240 Newtonmetern liegt bei 1750 Umdrehungen/Minute an, ihren Normverbrauch gibt der Hersteller mit 4,2 und 4,4 Litern je 100 Kilometer an. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 109 bzw. 116 g/km.

Geradezu revolutionär mutet an, dass Dacia sämtlichen in Österreich auf den Markt kommenden Lodgy-Modellen das elektronische Stabilitätsprogramm ESP einbaut. Wobei der in Marokko gebaute Fronttriebler mit einem komfortablen, gutmütig ausgelegten und somit familienfreundlichen Fahrwerk versehen ist, wie wir bei ersten Probefahrten in Nordafrika feststellen konnten. Noch erstaunlicher: Trotz ESP kostet die fünftürige Basis­ausführung nur 9990 Euro – in Verbindung mit dem 82-PS-Benziner. Dann jedoch ist der Lodgy weit entfernt von Annehmlichkeiten wie Klimaanlage, CD-Radio, Bordcomputer oder höhenverstellbarem Lenkrad. Die gibt es zum Teil erst in höheren Ausstattungslinien (Ambiance, Lauréate), zum Teil als Sonderausstattung, verpackt in diversen Paketen. Das Cool & Navi-Paket, das Klimaanlage und Radio-Navigationssystem enthält, kostet ab 900 Euro Aufpreis, basierend auf der mittleren Ausstattungslinie Ambiance (ab 11.180 Euro). Da Dacia zudem den Lodgy mit Drei-Jahres-Garantie (oder 100.000 Kilometern) versieht, dürfte sich die Konkurrenz einen neuen Van Helsing wünschen, der dem Rumänen-Spuk in der Pkw-Sparte ein Ende bereitet. Jedoch: Dracula ist Fiktion, Dacia Realität – dem Kunden kann dies von Nutzen sein.

Verwandte Themen