Bühne

Wochenend-Dramatikerin als Shootingstar

Petra Maria Kraxner, geboren in Zams in Tirol. Ein Name, den man sich merken muss. Im Februar ist ein Stück von ihr an der Burg zu sehen.

Von Alexandra Plank

Innsbruck –Sie wird als „Neuentdeckung des Burgtheaters“ tituliert. In der Spielzeit 2012/2013 wird das Stück „Gesetzliche Verordnung zur Veredelung des Diesseits“ der österreichischen Dramatikerin Petra Maria Kraxner als Uraufführung im Vestibül, der Studiobühne des Burgtheaters, zu sehen sein. Der Neo-Intendant des Tiroler Landestheaters, Johannes Reitmeier, machte bei der Präsentation seines ersten Spielplans, die „Gesetzliche Verordnung ...“ ist dort im Mai zu sehen, keinen Hehl daraus, dass er das Stück von Kraxner auch gerne als Erstes gezeigt hätte. Die beiden Theater buhlten beim Verlag um die Erstaufführungsrechte. Im Westbahntheater ist im Rahmen des Dramatikerfestivals ab 9. Juni Kraxners Stück „Die Bläue bleibt in etwa zu 52 %“ über Georg Trakl zu sehen.

Und Petra Maria Kraxner? Sie bleibt gelassen, wie im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung schnell klar wird. Ein Interview ist nur nach mehrmaligen Versuchen zu bekommen, weil sie arbeitet. Wobei ihr Beruf nicht das Schreiben ist, ihre künstlerische Betätigung bleibt auf das Wochenende beschränkt. „Ich arbeite als Online-Redakteurin bei einem Ratgeber-Forum“, erklärt Kraxner. Natürlich sei es aufregend, dass jetzt so eine Nachfrage nach ihren Stücken bestehe, aber „ich sage sicher nicht, jetzt läuft es gut, juhui, jetzt schmeiße ich alles hin“, outet sie sich als Mensch mit Bodenhaftung. Dennoch hat Kraxner konsequent an der Umsetzung ihrer Berufung gearbeitet. Petra Maria Kraxner wurde 1982 in Zams geboren und wuchs in Tobadill auf. Sie studierte Anglistik, Amerikanistik, Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Wien sowie szenisches und lyrisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Für ihr Stück „KESt“ erhielt sie 2007 das Dramatikerstipendium des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. 2009/2010 wurde sie mit dem Großen Literaturstipendium des Landes Tirol in der Kategorie Drama für ihr Stück über Trakl ausgezeichnet. Um sich ihre Leidenschaft finanzieren zu können, habe sie immer „gehackelt“, erzählt Kraxner. Als Stockmädchen, an der Rezeption und was es sonst noch an Studentenjobs gab. Bisher seien ihre Stücke in Form von szenischen Lesungen zu sehen gewesen, daher freue es sie besonders, dass sie nun eine große Bühne bekommen. „Irgendwie ist es schon der große Durchbruch“, sagt Kraxner. Durch die Aufführung werde der Text gewandelt und durch das Zusammenwirken von Regisseur, Schauspieler und Ausstattung erst lebendig. Ob sie manchmal die Angst beschleiche, dass ihr Text durch die Umsetzung zu stark verfremdet wird? „Wenn ich mir manchmal anschaue, was aus Texten von jungen Kollegen gemacht wird, dass da nur 30 % des Geschriebenen übrig bleiben, da bekommt man schon mitunter Angst um den eigenen Text. Aber wenn man sich dem nicht aussetzen will, dann muss man Prosa schreiben.“

Bezüglich der Uraufführung an der Burg plagen sie derartige Gedanken aber nicht. „Ich habe mit der Regisseurin Caroline Welzl schon zusammengearbeitet und vertraue ihr voll und ganz“, so Kraxner. In dem Stück gehe es um gesetzlich verordnetes Energiesparen und um die Wärmedämmung zwischen Menschen, verrät Kraxner.

Ein Anliegen war ihr auch das Stück über Georg Trakl. „Er weist eine faszinierende Biografie auf, die nach einer Dramatisierung schreit“, findet Kraxner. Sie hat das Leben des Dichters ins 21. Jahrhundert transferiert. Trakl dichtet. Er trinkt. Er tanzt zu Techno. Wie die Titel ihrer Stücke zeigen, ist Kraxner der Klang wichtig. Der Name des Trakl-Stückes bezieht sich darauf, dass Sprachwissenschafter genau untersucht haben, zu wie viel Prozent die Farbe Blau in den Werken des Dichters vorkommt. Sie wolle diesen Ansatz nicht schlechtreden, sagt Kraxner, ihr sei aber wichtiger, interessante Worte neuzuschöpfen. Derzeit ist Kraxner mit Recherchen zu einem neuen Stück beschäftigt, Wir werden davon hören.

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