Gesellschaft

Ägypten kommt nicht zur Ruhe: Tote und Verletzte bei Demo

Vor dem Verteidigungsministerium in Kairo gab es am Freitag mindestens zwei Tote und etwa 130 Verletzte, als Demonstranten und Soldaten aufeinander losgingen.

Kairo - Ägypten kommt nicht zur Ruhe. Vor dem Verteidigungsministerium in Kairo gab es am Freitag Dutzende von Verletzten, als Demonstranten und Soldaten aufeinander losgingen. Die Armee, die von der Polizei unterstützt wurde, setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Nach Angaben von Augenzeugen flogen von beiden Seiten Steine. Der regierende Militärrat unter Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi ordnete eine nächtliche Ausgangssperre an. Auch in Alexandria fanden Demonstrationen statt.

Anders als bei früheren Demonstrationen übertrug das staatliche Fernsehen Live-Bilder von den Ausschreitungen im Abbassiya-Viertel, an denen sich Hunderte Demonstranten beteiligten. Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen sind am Freitag mindestens zwei Menschen getötet und etwa 130 weitere verletzt worden. Ärzte des Universitätskrankenhauses sprachen am Abend von zwei Toten, die durch Schüsse ums Leben gekommen seien.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, 170 Verdächtige seien festgenommen worden. Die Jugendbewegung „6. April“ erklärte am Abend, sie ziehe sich von der Protestaktion vor dem Ministerium zurück, weil sie nicht an Aktionen teilnehmen wolle, bei denen Blut vergossen wird. In einer Erklärung der Bewegung hieß es: „Wir betonen, dass wir auf die Machtübergabe zu dem genannten Termin warten werden, und dass wir, wenn dies nicht geschehen sollte, auf allen Plätzen des Landes demonstrieren werden.“

Der Protest der Demonstranten richtete sich gegen den Obersten Militärrat, der nach dem erzwungenen Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak im Februar 2011 die Macht übernommen hatte. Die Generäle hatten nach blutigen Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Schlägertrupps in dem Viertel am Donnerstag erklärt, sie würden keine Demonstrationen mehr vor dem Ministerium dulden.

Machtübergabe der Militärs an zivile Regierung

Auf dem zentralen Tahrir-Platz fand am Freitag zur gleichen Zeit eine Demonstration gegen das Militär und gegen die Übergangsregierung statt, die friedlich blieb. Tausende Aktivisten und Parteimitglieder aus verschiedenen politischen Lagern hatten zu der Kundgebung aufgerufen. Sie forderten eine rasche Machtübergabe der Militärs an eine zivile Regierung und die Entlassung von Ministerpräsident Kamal al-Ganzouri. Auch die Muslimbrüder, die im ägyptischen Parlament die größte Fraktion bilden, beteiligten sich an dem Protest.

In dem Viertel vor dem Verteidigungsministerium war es diese Woche zu blutigen Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Schlägertrupps gekommen. Die Polizei hatte erst sehr spät eingegriffen. Nach offiziellen Angaben starben neun Zivilisten.

Die Ägypter sollen am 23. Mai einen Präsidenten wählen. Der Militärrat hat versprochen, nach der Präsidentenwahl die Macht abzugeben. (APA/dpa/Reuters)

Verwandte Themen