Natur

Vom Goldmord-Zeugen zum Auermord-Verdächtigen

Der Innsbrucker, der vor 22 Jahren einen Zuhälter ermordet haben soll, übersiedelte vom Polizeigefängnis in die Justizanstalt.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Untersuchungshaft oder Freiheit: Noch am Wochenende muss ein Haftrichter des Landesgerichts entscheiden, ob ein 51-jähriger Innsbrucker die nächsten Wochen, vielleicht auch Monate, in Untersuchungshaft verbringen muss. „Der Beschuldigte wurde am Freitag vom Polizeianhaltezentrum in die Justizanstalt überstellt“, sagt Thomas Willam, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft: „Von diesem Zeitpunkt an muss innerhalb von 48 Stunden die Entscheidung bezüglich der Verhängung der Untersuchungshaft fallen.“

Wie von der Tiroler Tageszeitung berichtet, ist der Innsbrucker möglicherweise Hauptdarsteller in einem der spektakulärsten Tiroler Mordfälle der letzten Jahrzehnte. Der 51-Jährige steht derzeit im Verdacht, vor 22 Jahren den Innsbrucker Geldverleiher und Zuhälter Anton Auer in dessen Haus in der Lohbachsiedlung mit mehreren Schüssen aus einer tschechischen 7,65 Millimeter-Pistole regelrecht hingerichtet zu haben.

Ein Verbrechen, das seither als ungeklärt galt. Bis am Donnerstag Ermittler des Landeskriminalamtes den 51-Jährigen unter dringendem Tatverdacht festnahmen. Nach der Einvernahme musste der Mann die Nacht zum Freitag im Polizeigefängnis verbringen.

Der Beschuldigte war quasi der Nachfolger des Mordopfers. Nach dem gewaltsamen Tod von Anton Auer ging der ehemalige Bäcker eine Beziehung mit der Witwe, einer stadtbekannten Prostituierten, ein. Rotlicht-Insider behaupten sogar, die Liaison habe noch während der Ehe mit Auer begonnen.

Fest steht jedenfalls, dass die Beziehung sehr dauerhaft war. 18 Jahre blieben die Prostituierte und der ehemalige Bäcker ein Paar. Vor knapp zwei Jahren, im Juli 2010, starb die Witwe plötzlich und unerwartet in ihrem Haus in der Lohbachsiedlung.

Landeskriminalamt und Gerichtsmedizin prüften den Fall. Das Ergebnis: Die damals 48-Jährige war eines natürlichen Todes gestorben. Der langjährige Lebensgefährte hatte Zweifel.

Zweifel, die der nunmehrige Verdächtige vor etwa einem Monat in Zusammenhang mit dem Goldmord an einer Unterländer Raika-Filialleiterin an die Öffentlichkeit brachte. Der 51-Jährige behauptete in mehreren Interviews, der mutmaßliche Mörder der Bankangestellten, ein Polizist aus dem Bezirk Kufstein, habe ihm die Lebensgefährtin „ausgespannt“. Das war etwa zwei Jahre vor dem Tod der Auer-Witwe.

Weiters äußerte der ehemalige Bäcker den Verdacht, der Polizist sei auch für den seiner Ansicht nach keineswegs natürlichen Tod der Prostituierten verantwortlich.

Als Indizien für seine Theorie brachte der 51-Jährige einige tatsächlich erstaunliche Parallelen ans Licht. So gab der ehemalige Lebensgefährte an, die durchaus wohlhabende Prostituierte habe am Tag ihres Todes eine größere Menge Gold kaufen wollen. Keine Münzen – angeblich hatte die Auer-Witwe die Absicht, bei einer Bank mehrere Barren zu erwerben.

Auch beim Goldmord spielten acht Barren zu je einem Kilo im Gesamtwert von 333.000 Euro eine Rolle. Die Raika-Mitarbeiterin hatte das Gold wenige Stunden vor ihrem Tod aus der Bank gebracht. Warum, ist bis heute unklar. Der verdächtige Polizist behauptet, er habe mit der 49-Jährigen (die angeblich auch seine Freundin war) an einem Plan gearbeitet, um das Gold bei einem fingierten Raub verschwinden zu lassen. Tatsache ist, dass der Verbleib des Edelmetalls bis heute ungeklärt ist.

Der frühere Bäcker führte eine weitere – wenn auch vermutlich unbedeutende – Parallele an: Beide Frauen planten offenbar unmittelbar vor ihrem Tod einen Kurzurlaub.

Für das Landeskriminalamt sind die Theorien des möglichen Mörders von Anton Auer haltlos. Die Ermittler gehen nicht davon aus, dass der Polizist für den Tod der Prostituierten verantwortlich ist. Das Hauptargument der Ermittler: Beim unerwarteten Tod der Auer-Witwe im Sommer 2010 lag kein Fremdverschulden vor. Nicht ausgeschlossen ist hingegen, dass der Polizist und die Prostituierte tatsächlich Kontakt hatten.

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