Kraftwerk löst heftige Kritik aus

Beim Bürgerforum im Kaunertal flogen scharfe Geschosse in Richtung Tiwag. Doch Touristiker sehen auch Chancen für das Tal.

Von Helmut Wenzel

Kaunertal –„Ihre Antworten sind eine Frechheit. Sie haben sich nicht die Mühe gemacht, sich mit unseren Fragen zu befassen. Das ist ein Skandal.“ Derartige Vorwürfe hatten Vertreter der als Umweltorganisation anerkannten Initiative „Lebenswertes Kaunertal“ am Samstagabend an Tiwag-Projektleiter Wolfgang Stroppa gerichtet. Stroppa hatte den Fragenkatalog der Einheimischen in Zusammenhang mit dem Projekt „Ausbau Kraftwerk Kaunertal“ beim jüngsten Bürgerforum beantwortet und in einem 45-minütigen Vortrag zusammengefasst. Beim Thema „Flutwellenalarmplan“ und „Fluchtwegbewältigung im Winter“, die der Projektleiter in den Augen der Umweltaktivisten nicht bzw. unzureichend beantwortet hatte, eskalierte die Empörung.

Touristiker wie Armin Falkner (Obmann TVB Tiroler Oberland) hingegen sehen Entwicklungschancen für das Tal. Im Zuge des Ausbauprojekts müsse es möglich sein, die Talstraße von Prutz bis zum Gepatschhaus endlich wintersicher zu machen. „Wobei die Privatstraße ab der Mautstation in das öffentliche Gut übernommen werden soll“, plädierte Falkner. Dieser „nachvollziehbare Wunsch“ liege nicht in der alleinigen Kompetenz der Tiwag, schränkte Stroppa ein. Ein derartiges Projekt müssten Gemeinde, Land und Tiwag gemeinsam realisieren. Sehr wohl könne die Tiwag andere touristische Projekte unterstützen, Führungen auf der Großbaustelle anbieten oder Quartiere für Mineure und Bautrupps anmieten.

Dass das Land Tirol „voll hinter dem Ausbauprojekt im Kaunertal“ steht, hatte LH Günther Platter vor wenigen Tagen in Prutz erklärt: „Der Investitionsschub von einer Milliarde Euro kommt nicht nur der Region, sondern ganz Tirol zugute.“ Wobei die Bevölkerung „am Mehrwert des Kraftwerks entsprechend beteiligt“ werden müsse.

Am Mittwoch, 9. Mai, ab 18.30 Uhr, lädt die TT zur Podiumsdiskussion im Kaunertalcenter. TT-Chefredakteur Alois Vahrner moderiert, den Fragen stellen sich Tiwag-Vorstand Bruno Wallnöfer, BM Pepi Raich, Klubobmann Georg Willi (Grüne) sowie der Biologe Univ.-Prof. Roland Psenner. Die Bevölkerung der Region ist zum Mitdiskutieren herzlich eingeladen.