Standort Tirol

Nach Felssturz mit Todesfolge Probleme für Grenzkraftwerk

Landesgeologe Gunther Heißel fordert weitere Expertise, weil geplantes Wehr von einem instabilen Hang betroffen sein könnte.

Von Peter Nindler und Matthias Reichle

Innsbruck –Während die Betreiber des Gemeinschaftskraftwerks Inn auf einen raschen und positiven Bescheid des Umweltsenats hoffen, drohen nach einem Felssturz mit einem Toten Ende März jetzt ernsthafte Konsequenzen für das 410-Millionen-Euro-Projekt. Verbund, die Tiroler Wasserkraft AG und die Engadiner Kraftwerke AG haben gemeinsam das Flusskraftwerk am Inn im Obergricht in Angriff genommen, das 414 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen soll. Doch der Felssturz im österreichisch-schweizerischen Grenzgebiet, bei dem ein deutscher Buslenker getötet wurde, hat jetzt massive Auswirkungen.

Denn im Bereich der Unfallstelle ist ein Wehr geplant. Landesgeologe Gunther Heißel hat das Gebiet noch einmal eingehend untersucht und einen weiteren Experten zu Rate gezogen. Heißels Bericht an das Land enthält eine ausdrückliche Warnung. Das geplante Wehr wäre nicht nur in der Bau-, sondern auch in der Betriebsphase gefährdet, befürchten die beiden Gutachter Gunther Heißel und Jörg Henzinger. Sie können nicht ausschließen, dass es in Zukunft zu weiteren Sturzereignissen kommt. Und halten es für „dringend notwendig“ – nach einer weiteren Analyse – allfällige Konsequenzen zu ziehen.

Das Land hat umgehend den Umweltsenat informiert, der nach Einsprüchen das geplante Kraftwerk derzeit auf Herz und Nieren prüft. Dort reagierte man ebenfalls. Anfang Mai wandte sich der Umweltsenat an die Gemeinschaftskraftwerk Inn GmbH. Er fordert die Projektbetreiber auf, die Einreichunterlagen erneut zu überarbeiten. Um sie „so rasch wie möglich“ bei der Behörde zur Prüfung vorzulegen. Es gehe um eine „dauerhafte Sicherheit des Sperrenbauwerkes und des Stauraumes bzw. auch des Projektraumes unterhalb des Sperrenbauwerks“, soll es in dem Schreiben heißen.

Für das Vorhaben bedeutet das eine weitere Verzögerung, laut TT-Informationen sollen die Betreiber bereits Geologen beauftragt haben.

Bestätigt fühlen sich indessen die Umweltinitiativen. Die Bedenken hinsichtlich der geologischen Probleme im Grenzbereich waren erst kürzlich Thema in einer Stellungnahme, mit der sich die Umweltinitiative „Dem Inn eine Stimme“ an den Umweltsenat wandte. „Es wurde ein Kraftwerksprojekt vorgelegt, das uralt und nicht am Stand der Technik ist“, kritisiert nun Sprecher Hubert Patsch erneut.

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