Mit und ohne Handicap die Freude am Leben gefeiert

Marianne Hengl, die sich für die Anliegen Behinderter einsetzt, lud erstmals zu einem Benefizabend in Osttirol – mit großem Erfolg.

Von Sabrina Micheler

Tristach –Marianne Hengl, Obfrau des Vereins RollOn Austria, hat 2010 die österreichweite Kampagne „Behinderte Menschen sind kein Schadensfall – ändert die Gesetze!“ ins Leben gerufen. „Gemeinsam wollen wir ein Zeichen dafür setzen, dass jedes Leben – ob behindert oder nicht – als ein wertvolles Geschenk anzusehen ist und nicht vordergründig nach den Maßstäben unserer heutigen Leistungsgesellschaft gemessen werden darf“, so Hengl, die von Geburt an an einer Gelenksversteifung an allen vier Gliedmaßen leidet.

Am Samstag lud die gebürtige Pinzgauerin zu einem Sänger- und Musikantentreffen in die Tristacher Dorfstube. Die Gruppe Die Geschwister Walder war im vergangenen Jahr bei einer ähnlichen Veranstaltung in Salzburg. „Sie wollten, dass das nächste Mal das Treffen in Tristach stattfindet – und haben mich eingeladen“, sagte Hengl, die mit ihrem Mann Stefan nach Osttirol kam.

Unter den zahlreichen Gästen befanden sich der blinde Tristacher Alpinist Andy Holzer und der blinde Harmonikaspieler Johannes Kremser aus Oberdrauburg. Beide haben einiges gemeinsam und waren vor zwei Jahren in den Lienzer Dolomiten unterwegs. Holzer hat auf sechs Kontinenten den höchsten Berg bestiegen. Daneben engagiert sich der Tristacher auch im sozialen Bereich. In Afrika werden aufgrund Holzers Bemühungen Menschen am grauen Star operiert. Rund 100 Personen können jetzt wieder sehen, so der Tristacher. „Es ist mir ein Bedürfnis, anderen zu helfen – und zwar ohne zu kalkulieren, ob man etwas zurückbekommt. Ich komme aus Afrika zurück und sehe immer noch nichts. Das ist aber egal“, sagte Holzer. Hengl lobte sein Engagement und den Einsatz: „Trotz Handicaps sollte man nicht den Kopf in den Sand stecken.“

Der Harmonikaspieler bekam bei seinem Auftritt großen Applaus. Der 19-Jährige ist am Konservatorium in Klagenfurt und erhielt beim 19. Alpenländischen Volksmusikwettbewerb in Innsbruck als einziger Harmonikasolist den „Herma-Haselsteiner-Preis“.

Für die musikalische Unterhaltung während des gesamten Abends sorgten Die Geschwister Walder, die Altweißbacher Tanzlmusi aus dem Pinzgau, das Duo Saitenverkehrt und Die Oberleibniger. „Die Musikgruppen stehen im Dienst der guten Sache und spielen kostenlos. Ich möchte mich dafür und bei allen Spendern und Gönnern bedanken“, sagte Hengl. Sie kommt am 9. Dezember mit Barbara Stöckl nach Osttirol. Dort findet eine Weihnachtslesung in der Klosterkirche in Lienz statt.