Technik hilft Senioren

Ein Signalton warnt, wenn die Kühlschranktür offen steht. Sensoren schalten nachts das Licht aus, wenn man ins Bett geht. Technik soll Wohnen für Senioren sicherer machen.

Darmstadt –Für Rolf Stroh­ecker gehen nachts die Lichter an. Muss der 88-Jährige auf die Toilette, schalten sich auf dem Weg zum Bad automatisch die Lampen ein. Strohecker lebt in einem Darmstädter Seniorenstift in einer intelligenten Wohnumgebung. Das heißt: Seine Wohnung ist mit Sensoren gespickt, Warnsignale ertönen, wenn die Balkontür offen steht. Solche Technologien werden unter dem Begriff Ambient Assisted Living – kurz AAL – zusammengefasst. Bis sie ihren Platz in Privatwohnungen erobert haben, wird es aber noch dauern.

Damit bei Strohecker nachts die Lampen angehen, haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt sechs Sensoren am Lattenrost des Betts montiert. Sie erzeugen ein elektromagnetisches Feld. Verlässt der 88-Jährige sein Bett, verändert sich die Spannung, ein Signal wird ausgelöst. Andere Sensoren messen die Helligkeit im Raum. Ist es dunkel, werden die Lichter auf dem Weg zum Bad eingeschaltet. Erst wenn der Pensionist wieder im Bett liegt und das elektromagnetische Feld seinen Ursprungszustand erreicht, gehen die Lampen aus, erklärt Reiner Wichert, Projektkoordinator am Fraunhofer-Institut.

Außer in Darmstadt gibt es etliche andere Forschungsprojekte, bei denen Senioren in intelligenten Wohnumgebungen leben. In Kaiserslautern zum Beispiel dreht sich alles um PAUL – den „Persönlichen Assistent für unterstütztes Leben“. In 20 Modellwohnungen wurde der Touchscreen-Computer installiert – neben Bewegungsmeldern, Warnlampen und einer Haustürkamera.

Über PAUL können die Bewohner die Haustechnik steuern und zum Beispiel die Rollläden herunterlassen. Klingelt es an der Tür, nimmt eine Kamera den Besucher auf und überträgt sein Bild auf PAUL. Der Bewohner kann dann entscheiden, ob er öffnen will. Ist er nicht zu Hause, sieht er, wer ihn besuchen wollte.

„Die Akzeptanz von PAUL ist groß“, sagt Annette Spellerberg, Professorin an der TU Kaiserslautern. Sie untersucht, wie intensiv die Bewohner die intelligente Technik nutzen. „Die Leute kommen mit PAUL gut zurecht und wollen weitere Funktionen haben.“ Wichtig sei aber, dass Menschen da sind, die die Technik erklären.

Inzwischen spreche viel für Ambient Assisted Living: Die Technik werde immer besser, der Installationsaufwand sinkt, mehr Ältere kommen gut mit Computern zurecht. In den Wohnzimmern der breiten Bevölkerung seien die Assistenzsysteme aber noch lange nicht angekommen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Untersuchung des Berliner Instituts für Sozialforschung aus dem Jahr 2007. Die Wissenschafter evaluierten neun AAL-Projekte. Ihr Fazit: Die technischen Hilfen wurden v. a. dann akzeptiert, wenn die Bewohner körperliche Probleme hatten. Je einfacher die Anwendungen waren, desto häufiger wurden sie genutzt. Besonders beliebt waren technische Ausstattungen wie Einbruch- und Rauchmelder, Hausnotruf, Sturzmelder und das automatische Abschalten von Gefahrenquellen wie Herd und Bügeleisen. (APA, dpa)