Bär auf Südtiroler Schnellstraße überfahren

Wieder endete die Begegnung eines Bären mit einem Auto in Südtirol für das Tier tödlich. Die Autoinsassen kamen mit dem Schrecken davon.

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Von Marco Witting

Terlan – Der Streifzug endete tragisch. Sechs Männer schleppten ein totes Tier zu einem Pritschenwagen der Straßenmeisterei. Im Schein des Blaulichts wurde klar: Es war ein toter Bär, der da aus dem Straßengraben bei Terlan

Südtirol gezerrt wurde. Nur unweit daneben die restlichen Spuren eines verheerenden Unfalls – ein komplett zerstörter Alfa Romeo.

Kurz nach Mitternacht war der Bär auf die Nordfahrbahn der Verbindung Meran-Bozen gelaufen, direkt vor das Auto eines 63-Jährigen aus Tabland. Der Mann und sein Beifahrer kamen mit dem Schrecken davon. Für das Tier kam aber jede Hilfe zu spät. Wie stol.it berichtete, dürfte der Mann keine Chance gehabt haben, auszuweichen.

„Wir gehen davon aus, dass es sich bei dem toten Tier um den Bär mit der Bezeichnung M1 handelt“, sagte der Leiter des Südtiroler Amts für Jagd und Fischerei, Heinrich Erhard, am Freitag. Es war innerhalb von eineinhalb Monaten das zweite Bärendrama in Südtirol. Bär Otto (M14) wurde im April erfasst und getötet. „Das ist einfach ein großer Zufall“, sagte Erhard, der kein Muster daran erkennen kann, dass es die Tiere in Richtung der Straßen zieht.

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M1 war knapp vier Jahre alt und wog 110 Kilo. Die Südtiroler Landesregierung legte bereits fest, dass der Bär – so wie M14 – ausgestopft und an ein Museum übergeben wird. Abgesehen von den dramatischen Unfällen sei die Bärenbilanz für den Amtsleiter in Südtirol heuer durchaus positiv. Aktuell werden zwei Tiere in Südtirol vermutet – darunter ein sechsjähriger Bär und ein jüngerer.

Der Verbleib der Bärenbrüder Paul (M12) und Sam (M13), die ja tagelang auch in Nordtirol unterwegs waren, bleibt weitgehend ungewiss. In der Schweiz ist man sich sicher, dass Sam in Richtung Italien marschiert sei. Ende Mai sei M13 auf der lombardischen Seite des Stelvio-Nationalparkes genetisch nachgewiesen worden, teilte der WWF Schweiz mit.

Auch Sam hat in den vergangenen Wochen unliebsame Erfahrung mit Verkehrsmitteln gemacht. Der Zusammenstoß mit einem Zug ist nicht nur ihm in bleibender Erinnerung geblieben. Seither geht der neugierige Bär seiner Wege – abseits des Siedlungsraumes. Für die Bärenexperten des WWF eine natürliche Reaktion. „Neugierige Jungbären wie M13 müssen zuerst schlechte Erfahrungen mit Menschen machen, bevor sie vorsichtiger werden. Das kann man in der Population im Trentino gut beobachten, man sieht dort kaum alte Bärenmännchen, diese gehen dem Menschen aus dem Weg“, erklärte die Schweizer Bärenexpertin Joanna Schoenenberger in einer Aussendung. Sie geht auch davon aus, dass sich Bruder Paul ebenfalls in diesem Gebiet aufhält.


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