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Die Väter wüssten genau, was sie wollen

Zum Vatertag: Sich aktiv als Vater an der Erziehung zu beteiligen, wird Männern nicht leichtgemacht. Es gibt noch viele Hürden von außen.

Innsbruck – Das Bild der Väter hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten enorm geändert. Immer mehr Männer kümmern sich aktiv um ihre Kinder. Nach wie vor haben Väter, die sich um die Erziehung kümmern, aber mit vielen Vorurteilen und Problemen zu kämpfen. Ein Gespräch über die Rolle der Väter mit dem Sozialwissenschafter Olaf Kapella vom Institut für Familienforschung der Uni Wien.

Ständig ist zu lesen, dass Männer in der Erziehung nicht fehlen dürfen. Wie wichtig sind Väter für die Entwicklung der Kinder?

Olaf Kapella: Andersrum gefragt: Warum sollten Väter nicht wichtig sein? Nein, im Ernst: Prinzipiell ist für Kinder vor allem eine verlässliche Bindung wichtig, eine oder mehrere enge Bezugspersonen mit Einfühlsamkeit, die angemessen auf die Bedürfnisse von Kindern reagieren. Da unterscheidet das Kind erst einmal nicht, ob diese Person männlich oder weiblich ist. In späterer Folge ist es natürlich schon wichtig, dass Kinder Männer und Frauen in der Erziehung erleben. Und es ist ein Thema, dass die frühe Erziehung primär oft nur von Frauen abgedeckt wird. Männer früh genug einzubinden, würde auch insofern Sinn machen, als sie rund um die Geburt biologisch und hormonell bereiter sind, eine Bindung einzugehen. Je besser die Bindung ist, desto enger ist der Kontakt zwischen Männern und Kindern. Das schützt auch im Falle einer Trennung. Väter, die eine gute Bindung zum Kind haben, verlieren bei einer Scheidung weniger oft den Kontakt zum Nachwuchs als andere. Im Gegensatz zu früher sehen wir aber ohnehin, dass die Mehrzahl der Männer sich heute mehr Zeit für ihre Kinder nimmt.

Aber nur ein verschwindend geringer Anteil, knapp zehn Prozent, nimmt sich Karenz. Woran liegt das?

Kapella: Es wäre falsch nur anhand der Väterkarenz-Zahlen abzulesen, ob Männer gute oder schlechte Väter sind. Wir wissen zum Beispiel, dass knapp 80 Prozent der Väter grundsätzlich bereit wären, eine Zeit in Karenz zu gehen. In der Realität kippen aber die meisten Paare mit der Geburt des ersten Kindes in alte Rollenmuster. Sie rechnen sich durch, was für die Familie finanziell am besten ist, und nachdem oft die Männer mehr verdienen, ist schnell klar: Der Vater geht arbeiten, die Mutter bleibt zumindest eine Zeit lang daheim. Dazu kommt, dass gesellschaftlich nach wie vor vermittelt wird, dass die einzig wichtige Bezugsperson für das Kind die Mutter ist. Das haben auch viele Frauen so im Kopf und sie tun sich schwer, die Männer stärker ins Boot der Erziehung zu lassen. Männer mögen mit Kindern anders umgehen als Frauen, aber das ist nicht falsch. Nur anders.

Die Gesellschaft akzeptiert also nicht, dass sich Väter stärker um ihren Nachwuchs kümmern?

Kapella: So kann man es sehen. Auch wirtschaftlich ist das so. Wenn eine Frau in Karenz oder Teilzeit geht, ist das eher normal. Bei Männern ist das nicht so. Da gibt es in vielen Firmen noch Vorbehalte – trotz Rechtsanspruch. Deshalb ist es für viele Paare unmöglich, dass sie sich Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlich teilen. Viele Eltern wären so weit, dass sie Familie als gemeinsames Projekt leben wollen. Es fehlt die Akzeptanz.

Was müsste sich ändern?

Kapella: Das Leben ist heute anders als vor 20, 30 Jahren. Das alte Rollenbild – Mann geht arbeiten, Frau ist daheim – ist längst im Umbruch. Heute ist es für beide Geschlechter wichtig, in der Erwerbsarbeit zu bleiben. Ein Ausstieg ist ein Risiko – auch für Frauen. Gleichzeitig braucht Familie aber Zeit. Selbst wenn Betreuungseinrichtungen vorhanden sind. Wir müssen ernsthaft hinterfragen, ob jeder Vater in leitender Position 50, 60 Wochenstunden arbeiten muss und nicht auch 30 reichen. Viele Männer wären bereit, ihren Teil zur Erziehung stärker beizutragen. Sie sind auch glücklicher, wenn sie es tun können.

Das Gespräch führte Liane Pircher