Lage der Künstler wird immer prekärer

Mit einem Flashmob protestierten Kulturschaffende gegen die Halbierung des Künstler-Sozialversicherungsfonds (KSVF).

Von Alexandra Plank

Innsbruck –„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, sagte­ der legendäre Kabarettist Karl Valentin. Aber Kunst ist nicht nur zeitintensiv, sondern meist auch schlecht bezahlt. Um die soziale Lage der Künstler zu verbessern, wurde­ der Künstler-Sozialversicherungsfonds (KSVF) 2001 ins Leben gerufen. Florian Hackspiel, Bundeslandsprecher der IG Freie Theater Tirol, erläutert, wie das System in der Praxis funktioniert. „Die Aufgabe dieses Fonds ist die Leistung von Zuschüssen zu den Pensionsversicherungsbeiträgen und seit 2008 auch zu den Kranken- und Unfallversicherungsbeiträgen.“ Der Künstler zahle seine Beiträge bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) ein und erhalte dann vom KSVF einen Beitrag in der Höhe von maximal 120 Euro zurück.

Der Kulturrat Österreich schlägt nun Alarm und spricht von einem Skandal, der KSVF soll nämlich innerhalb der nächsten fünf Jahre nahezu halbiert werden: von derzeit 28 Millionen Euro auf geschätzte 15 Millionen.

Aus Protest versammelten sich rund 100 Künstler vergangene Woche vor dem Parlament, um mittels Flashmob gegen den „Raubzug an den Mittel des Künstler-Sozial­versicherungsfonds“ zu demonstrieren. „Der Fonds ist für viele­ Künstler existentiell. Wir fordern schon lange, dass die Anzahl der Bezugsberechtigten­ ausgedehnt wird, indem die Einkommensuntergrenze abgeschafft wird“, sagt Barbara Stüwe-Eßl von der IG Freie Theaterarbeit. Die Untergrenze­ liegt derzeit bei 4515,12 Euro im Jahr. „Wenn beispielsweise eine Allein­erzieherin im Sommer ein Engagement bekommt, dann liegt sie unter diesem Wert und hat keinen Anspruch auf Zuschüsse aus dem Künstler-Sozialversicherungsfonds“, erklärt Hackspiel.

Die Novelle des KSVF-Gesetzes soll der Nationalrat bereits Anfang Juli beschließen. Ministerin Claudia Schmied wies darauf hin, dass die Maßnahme befristet sei und die Novelle zudem eine Verbesserung bringe, da künftig auch pensionierte Künstler Anspruch auf Mittel des KSVF hätten. Für den Kulturrat ist das hingegen ein „Kuhhandel“. Durch die Reduktion der Mittel des KSVF werde der Handlungsspielraum für Reformen verringert. Derzeit würden nur 4500 Personen Zuschüsse aus dem Fonds beziehen. Demografisch war bei der Einrichtung des KSVF mit rund 12.000 Berechtigten gerechnet worden. Viele Künstler würden die Untergrenze nicht erreichen, Kultur- und Medienarbeiter hätten keine Ansprüche auf Gelder des KSVF.

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Ingeborg Erhart von der Tiroler Künstlerschaft dazu: „Viele Tiroler Künstler mussten in den vergangenen Jahren Zuschüsse des KSVF zurückzahlen, weil sie nicht genug verdient haben. Die Untergrenze muss fallen. Der KSVF ist für viele Kulturschaffende überlebensnotwendig.“


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