Lärmtrauma nach Party: Elf Jugendliche im Krankenhaus

Discjockeys ließen Gäste der White Party in Außervillgraten bis zum Morgen abrocken. Der hohe Schallpegel hatte jedoch unliebsame Folgen.

Von Claudia Funder

Außervillgraten, Lienz – Volles Haus, ausgelassene Stimmung, angesagte Musik mit den DJs Spilla und Fillini: Die White Party in Außervillgraten am vergangenen Samstag war eine Veranstaltung, wie sie sich ein Organisator nur wünschen kann. Zum bereits dritten Mal hatte die Jungbauernschaft/Landjugend der Gemeinde zu diesem Event geladen, das zahlreiche Jugendliche anlockte.

Dass die Party ein dröhnender Hexenkessel war, wurde so manchem Gast erst am Tag danach bewusst. Da suchten ungewöhnlich viele Jugendliche die HNO-Abteilung des Bezirkskrankenhauses Lienz auf. „Bis etwa 22 Uhr hatten insgesamt elf junge Leute von 16 bis 24 Jahren, die einer stationären Therapie bedürfen, das Lienzer Krankenhaus aufgesucht“, berichtet Kurt Freudenschuss, Leiter der Abteilung für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Alle klagten über subjektive Hörminderung oder Ohrgeräusche, die mittels Audiometrie und Ohrmikroskopie abgeklärt wurden. „Wir stießen an die Grenze unserer Kapazitäten“, erklärt der Pressesprecher des Spitals, Alfred Fast, der betont, dass weitere Patienten ambulant betreut wurden. Die hohe Anzahl Hörgeschädigter ist durchaus ungewöhnlich. Freudenschuss bestätigt, dass er Auswirkungen auf derart viele Gäste einer Veranstaltung bisher noch nicht erlebt hat, auch nicht während seiner Tätigkeit in Graz.

Die laute Musik – sie dürfte nach Aussagen des Abteilungsleiters über einen längeren Zeitraum mehr als 100 Dezibel betragen haben – hatte zu einem so genannten akuten Lärmtrauma geführt. Die Symptome sind bei allen elf stationären Patienten noch vorhanden, diese werden mit durchblutungsfördernden Infusionen und Cortison behandelt. Die ambulanten Patienten bekamen Medikamente und ebenfalls Cortisonpräparate verabreicht. Die Langzeitfolgen lassen sich schwer abschätzen, gerade junge Leute verfügen jedoch, erklärt Freudenschuss, über eine gute Regenerationsfähigkeit.

Der Obmann des veranstaltenden Vereins war nicht erreichbar, er befindet sich auf einer Exkursion der Berufsschule. Der Bürgermeister von Außervillgraten, Josef Mair, der dem Verein das Haus Valgrata vermietete: „Die Veranstaltung war genehmigt. Es wird geprüft, inwieweit die Auflagen eingehalten wurden.“ Unklar ist noch, ob die Sache ein gerichtliches Nachspiel haben wird.


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