Hoch verschuldetes Zypern stellt Antrag auf EU-Hilfen

Der Hilfsantrag war wegen der engen Verbindungen zum taumelnden Nachbarn Griechenland schon seit längerem erwartet worden.

Brüssel - Zypern flüchtet als fünftes Land unter den Euro-Rettungsschirm. Der Inselstaat bittet seine europäischen Partner um Hilfe aus den Krisenfonds EFSF oder ESM, wie die Regierung am Montag mitteilte. Als Begründung verwies Zypern auf die Auswirkungen der Griechenland-Krise. Die Banken beider Länder sind stark miteinander verflochten. Kurz zuvor hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Zyperns herabgestuft und auf Ramsch-Niveau gesetzt.

Zypern ist nach Griechenland, Irland, Portugal und Spanien das fünfte Euro-Mitglied, das ein Rettungsprogramm braucht. Spanien will allerdings nur für seine Banken Hilfe.

Die drittkleinste Volkswirtschaft im Währungsraum übernimmt am 1. Juli den EU-Ratsvorsitz. Die Entscheidung, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen, war an den Finanzmärkten erwartet worden und galt zuletzt nur noch als Frage der Zeit.

Der zypriotische Regierungssprecher Stefanos Stefanou hatte am Vortag gesagt, bei einem möglichen Antrag gehe es nicht nur darum, ob Zypern seine Banken retten könne, sondern auch um „notwendige Reformen, die durchgeführt werden müssen“. Als Hauptproblem des Inselstaates gilt der eng mit den griechischen Geldhäusern verwobene Bankensektor.

Die Regierung in Nikosia stellte am Montag einen offiziellen Antrag auf Finanzhilfen der Eurozone, wie aus einer am Montag in Brüssel verbreiteten Erklärung der EU-Vertretung Zyperns hervorgeht. Die Finanzhilfen sollten die Risiken des angeschlagenen Finanzsektors für die zypriotische Wirtschaft „zügeln“, hieß es darin. Es war aber zunächst nicht klar, ob Zypern - wie Spanien - die Hilfen nur für seinen Bankensektor benötigt. Diplomatenkreisen zufolge müssen die Geldhäuser des Inselstaates wegen der Schuldenkrise im benachbarten Griechenland rund 3,5 Milliarden Euro abschreiben.

Eine IWF-Sprecherin erklärte, dass beim Währungsfonds kein Hilfeersuchen eingegangen sei. Es handle sich um eine Sache zwischen einem Euroland und dem europäischen Rettungsschirm. Einen weiteren Kommentar wollte die Sprecherin nicht abgeben.

Die Ratingagentur Fitch hatte die Kreditbewertung Zyperns von „BBB-“ um eine Stufe auf nunmehr „BB+“ gesenkt. Damit rutscht die Bonitätsnote knapp in den Bereich der spekulativen Anlagen, die als Ramsch-Status bezeichnet werden. Zudem setzte die Agentur den Ausblick für Zypern auf „negativ“. Damit ist in den kommenden Monaten eine weitere Herabstufung möglich. (APA/dpa/AFP)


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