Sommer wie Winter: Im Heizwerk geht‘s heiß her

Johann Leichter hält mit seinem Team die Kraftwerke der Stadtwerke Hall in Schuss. Das Biomasse-Fernheizwerk benötigt die meiste Betreuung.

Von Benjamin Kiechl

Hall in Tirol –Die Außentemperatur mag noch so deutlich über die 30-Grad-Marke klettern, Johann Leichter steht dennoch vor den zwei Heizkesseln im Biomasse-Fernheizwerk Hall in Tirol. Geheizt wird dort auch im Sommer, schließlich wolle die Bevölkerung nicht auf Warmwasser verzichten, und auch das Haller Schwimmbad brauche Wärme. „Strom erzeugt wird obendrein“, sagt der Elektrikermeister und Abteilungsleiter für Kraftwerksbetrieb bei den Haller Stadtwerken.

Gemeinsam mit seinem Techniker-Team betreut er nicht nur das im Jahr 2005 eröffnete Fernheizwerk (Grundlast zwei Biomasse-Heizkessel mit je 6,2 Megawatt), sondern auch fünf Wasserkraftwerke. „Wartungsintensiver ist aber das Fernheizwerk“, betont er.

Bei rund 1000 Grad Hitze in den Heizkesseln werden Hackschnitzel verbrannt, die zum Großteil aus Tiroler Holz stammen. Beim Kontrollgang in der Früh wird überprüft, ob alles im Werk reibungslos läuft. „Tritt eine Störung auf, wird sie vom Team gleich repariert. In den Nachtstunden und am Wochenende ist ein Mitarbeiter im Bereitschaftsdienst für die Aufrechterhaltung des Betriebs verantwortlich“, sagt Leichter. Wartungen werden täglich durchgeführt. „Wir haben eine eigene Wartungsdatenbank. Ob Reinigen, Schmieren, Verschleißteile tauschen – es gibt immer viel zu tun.“ Einmal pro Jahr wird das Werk auf Herz und Nieren geprüft und danach vom TÜV abgenommen.

Hall sei ein besonders komplexes Fernheizwerk. Auf die Rauchgas-Stromerzeugung kommt der Techniker gerne zu sprechen: „Die ist einzigartig in Österreich.“ Die Arbeit im Heizwerk fordere die Allround-Fähigkeiten der Mitarbeiter. Bei Bewerbungsgesprächen würden manche dennoch glauben, bei diesem Job sitze man nur vor dem PC. Doch: „Beim Heizkesselputzen wird man dreckig wie ein Kaminkehrer.“ Auch die Temperaturschwankungen seien nicht jedermanns Sache: Im Heizwerk ist es bis zu 50 Grad heiß, in den Wasserkraftwerken im Winter eiskalt.

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