Das Mittelmaß auf der Regierungsbank

Zuerst das Positive. Das Klassenziel wurde von allen Regierungsmitgliedern erreicht. Aber bei den meisten ist noch viel Luft nach oben.

Wien –Die Schüler im Osten haben die Zeugnisse schon in Händen, die im Westen bekommen sie am kommenden Freitag. Grund genug, auch den Mitgliedern der Bundesregierung eine Gesamtnote zu geben. Auch wenn dieses Zeugnis nicht den Kriterien der empirischen Sozialforschung genügt, bestehen zwischen den Meinungsumfragen und dieser subjektiv motivierten Beurteilung durchaus Parallelen.

Klassenbester ist Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Obwohl die Universitätspolitik nach wie vor an eine Baustelle erinnert, punktet Töchterle im positiven Sinne des Wortes mit seinem Zugang eines Antipolitikers. Er versteckt sich nicht hinter Phrasen, dies kommt nicht nur bei Journalisten gut an.

Interessant auch die Beurteilung von Finanzministerin Maria Fekter (VP). Für die neue Aufgabe hat sie auch bessere Noten bekommen. Ihre Nachfolgerin im Innenressort hingegen, Johanna Mikl-Leitner, schloss mit einem Genügend ab. Umwelt- und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovic verstand es nicht, den Notenschnitt seiner Vorgänger Wilhelm Molterer und Josef Pröll halten zu können. An sich ist dieses Ressort geeignet, sich für höhere Aufgaben zu profilieren.

Enttäuschend auch das Abschneiden der frühe-ren Sympathieträgerin Beatrix Karl. Doch die frühere Wissenschaftsministerin verstand es bislang nicht, auch als Justizministerin zu punkten. Sie strahlt in diesem Ressort vor allem Unsicherheit aus.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Leicht aufsteigend ist hingegen der bisherige Minusmann Verteidigungsminister Norbert Darabos. Bei ihm wurde zumindest das Wollen einer Reform des Bundesheeres positiv beurteilt.

Die beiden Klassensprecher Werner Faymann und Außenminister Michael Spindelegger bekommen zwar ein Genügend ins Zeugnis. Allerdings zeigten sie knapp vor Zeugnisschluss Lerneifer. Gerade im Fach Europäische Union war zu erkennen, dass sie gewillt sind, ihre Position nicht nur in der Bundesregierung zu verbessern.

Nicht auffallen wollte Gesundheitsminister Alois Stöger. Er perfektionierte das herrschende Mittelmaß in der Bundesregierung. Sein stilles Verhalten reichte letzten Endes für einen Dreier. Seine Sitznachbarin Claudia Schmied hingegen hat diesen Dreier nur noch verdammt knapp erreicht. Zu viel in der Bildungspolitik angekündigt, zu wenig gehalten.

Zufrieden waren wir mit der Leistung der beiden Sozialpartner. Sowohl Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner als auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer haben ihre Arbeit bisher gut erledigt. Beide gelten als solide Arbeiter. Beide haben Zukunft.

Bei Infrastrukturministerin Doris Bures hingegen waren wir uns nicht sicher, ob sie nicht viel mehr drauf hätte. Sie meldete sich zu wenig zu Wort, sie könnte gerade im Infrastrukturressort mehr Akzente setzen. Es reichte aber für ein klares Befriedigend.

Bei den Staatssekretä-ren konnte vor allem Sebastian Kurz einen guten Eindruck hinterlassen. Wir geben es auch gerne zu, dass wir den jungen Kurz anfangs unterschätzt haben. Ein politisches Talent ist auch Andreas Schieder. Josef Ostermayer gilt in der Klasse als der Mann für die heiklen Aufgaben. Er liefert dabei viel Licht und doch auch Schatten. Bei Wolfgang Waldner musste erst in der Klassenkonferenz eine Mehrheit für eine Beurteilung gefunden werden. Zu viele vertraten anfangs die Meinung, dass sie Waldner nicht kennen und deshalb nicht beurteilen können. Es wurde dann doch noch ein Befriedigend. (misp)


Kommentieren


Schlagworte