„Arbeit ist kein Recht“: Ministerin der Regierung Monti unter Druck

Die Polemik um die jüngsten Aussagen von Arbeitsministerin Elsa Fornero trübt die Freude der Regierung wegen der verabschiedeten Arbeitsmarktreform.

Rom – Die Regierung Monti hat am Mittwoch in der Abgeordnetenkammer ihre Arbeitsmarktreform durchgesetzt, doch der Erfolg im Parlament wird von scharfen Auseinandersetzungen überschattet. In einem Interview mit der Tageszeitung Wall Street Journal behauptet die Arbeitsministerin Elsa Fornero, dass Arbeit nicht einfach ein Recht sei, sondern mit Opfern verdient werden müsse.

„Wir versuchen die Menschen, nicht ihre Jobs zu schützen. Das Verhalten der Personen muss sich ändern. Arbeit ist kein Recht. Man muss sich eine Arbeit auch mit Opfern verdienen“, meinte die Ministerin. Forneros Worte lösten hitzige Diskussionen aus. „Die Republik erkennt allen Staatsbürgern das Recht auf Arbeit zu. Fornero sollte Artikel 1 der italienischen Verfassung lesen, in dem klar steht, dass Italien eine auf die Arbeit gegründete Republik ist“, kommentierte der Vorsitzende der altkommunistischen Partei „Rifondazione Comunista“, Paolo Ferrero.

Auch die Gewerkschaften kritisierten Forneros Aussagen. „Während die Ministerin den Kündigungsschutz in Italien streicht, will sie jetzt auch die in der Grundcharta verankerten Prinzipien auf den Kopf stellen“, kritisierte die Senatorin Giuliana Carlino, Fraktionschefin der Mitte-links-Partei „Italien der Werte“ im Senat. Unter dem Druck der Proteste erklärte Fornero, dass sie missverstanden worden sei. Niemand wolle am Recht der Italiener auf Arbeit rütteln.

Die Polemik um Forneros Aussagen trübt die Freude der Regierung wegen der verabschiedeten Arbeitsmarktreform. Das grüne Licht der Abgeordnetenkammer stärkt Ministerpräsidenten Mario Monti vor dem entscheidenden EU-Gipfeltreffen in Brüssel den Rücken. „Ich werde dem EU-Ratspräsidenten schreiben, um die großen Fortschritte hervorzuheben, die Italien in punkto strukturelle Reformen unternommen hat“, erklärte Monti.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Die Abgeordnetenkammer hat am Mittwoch endgültig seine Zustimmung zu der von Ministerpräsident Mario Monti vorgelegten Arbeitsmarktreform gegeben. Am 31. Mai hatte bereits der Senat grünes Licht für die Reform gegeben. Die Reform sieht unter anderem eine höhere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes vor, Vorbild ist das dänische Modell. Die Jugendarbeitslosigkeit soll durch ein Lehrstellen-System bekämpft werden. (APA)


Kommentieren


Schlagworte