Österreichs Wirtschaft wieder klar über Vorkrisenniveau

Die Wirtschaftsinstitute Wifo und IHS rechnen für heuer einem Wachstum von 0,6 bzw. 0,8 Prozent. Nächstes Jahr sollen es 1,3 bzw. 1,7 Prozent sein.

Wien – Österreichs Wirtschaftsleistung liegt wie jene Deutschlands bereits wieder zwei Prozent über dem Niveau von vor der Wirtschaftskrise. Der Euro-Raum dagegen und auch die EU-27 haben noch nicht alle Rückschläge wettgemacht und liegen noch immer leicht unter dem Wert von 2008, sagte Wifo-Chef Karl Aiginger am Donnerstag bei der Vorlage der neuen vierteljährlichen Konjunkturprognose. Zwölf Jahre in Folge entwickelte sich Österreich besser als die Euro-Zone.

Die Produktion der Weltwirtschaft liegt bereits 12 Prozent über dem Vorkrisen-Stand, der Welthandel 10 Prozent darüber, die USA 3 Prozent höher. Auch die neuen EU-Mitglieder im Osten haben mit einem Plus von 4 Prozent die Verluste schon mehr als ausgeglichen. Unvergleichlich ist China mit 42 Prozent Surplus gegenüber dem Jahr 2008.

Reif für das Buch der Rekorde

Dass es der Euro-Raum auch im fünften Jahr nach Krisenbeginn nicht geschafft habe, bei der Wirtschaftsleistung das Niveau von vor der Krise zu überschreiten, bezeichnete der Wifo-Chef als „bedenklich“.

Österreichs Wirtschaft sei dagegen „stark“, sie habe es jedes Jahr geschafft, beim Wachstum Europa zu übertrumpfen - heuer mit voraussichtlich +0,6 Prozent realem BIP-Plus gegenüber erwarteten 0,2 Prozent Rückgang im Euro-Raum. Insgesamt entwickle sich Österreich das zwölfte Jahr besser als die Euro-Zone und sei damit reif für das Guiness Buch der Rekorde, meinte Aiginger.

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Zurückhaltung bei Investitionen

Wegen der anhaltenden Unsicherheit auch der Betriebe - infolge der weiter ungelösten Euro-Krise - sei die Wirtschaft aber zurückhaltend bei den Investitionen, die 2012 auf dem Niveau von 2000 verharren würden: „Das war hier ein verlorenes Jahrzehnt“, so Aiginger.

Dass das Institut für Höhere Studien (IHS) für die Inlandskonjunktur etwas optimistischer ist als das Wifo begründete der neue IHS-Leiter Christian Keuschnigg damit, dass die heimische Wirtschaft „sehr gut aufgestellt“ sei und deshalb besser an der internationalen und der deutschen Konjunktur partizipieren könne. Die Zinsen seien günstig niedrig, es gebe keine Anzeichen einer Kreditklemme, die Dollar/Euro-Relation sei rückläufig, was den Exporten zugute komme und die Rohstoffpreise seien im Sinken. Das IHS erwartet für 2012 und 2013 0,8 bzw. 1,7 Prozent Realwachstum, das Wifo lediglich 0,6 und 1,3 Prozent.

IHS: „Sehen das Glas halb voll“

Natürlich gebe es in der Prognose auch „ganz klar Abwärtsrisiken“, räumte Keuschnigg ein. Doch auch wenn es ein Negativ-Szenario gebe - etwa wenn in Europa die Lage eskaliere -, könne man die Situation auch optimistischer sehen: „Wir sehen das Glas halb voll.“

Die Stimmungsindikatoren hätten sich zwar seit Anfang 2012 verschlechtert, sagte der IHS-Chef, doch würden diese in Summe ein negativeres Bild zeichnen als es gerechtfertigt sei. Wifo-Chef Aiginger ergänzte, damit die heurige Prognose für das Gesamtjahr auch halte, benötige Österreich ab dem 3. und 4. Quartal Wachstum, nach der Talsohle im 2. Quartal und einem unerwartet guten 1. Quartal. 2013 seien dann 0,5 Prozent Quartalswachstum für die Prognose nötig.

Keine Einigkeit bei Transaktionssteuer

Zu einer Finanztransaktionssteuer zeigte sich Keuschnigg skeptisch, denn diese löse nichts am Problem, dass etwa in Europa die Banken zu instabil seien. Wifo-Chef Aiginger dagegen äußerte sich „positiv“ zu einer Finanztransaktionssteuer - „es wäre gut, wenn das zehn Länder gemeinsamen machen“. Vielfach werde eine solche Maßnahme ja auch anstelle anderer Steuern angedacht: Da sei es schon besser, den Bankensektor zusätzlich zu besteuern als die Umsatzsteuer für die Endverbraucher zu erhöhen, gab er zu verstehen. (APA)


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