„Cold Case“-Spezialisten sollen Fall Kampusch neu aufrollen

Der U-Ausschuss empfahl den zuständigen Behörden einstimmig, die Ermittlungen in der Causa erneut zu evaluieren.

Wien - Der Entführungsfall Natascha Kampusch ist weiterhin nicht geschlossen: Der ständige Untersuchungsausschuss für Innere Angelegenheiten empfahl den zuständigen Behörden einstimmig, die Ermittlungen in der Causa erneut zu evaluieren. Dazu sollen, wie der Ausschussvorsitzende Werner Amon (V) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag im Parlament in Wien forderte, ausländische „Cold Case“-Spezialisten - etwa des FBI - hinzugezogen worden. Der Ausschuss ortete in seinem Abschlussbericht schwere Ermittlungspannen.

Der Unterausschuss musste vor allem zwei Fragen klären. Und zwar, ob die Ermittler mit der notwendigen Sorgfalt und Professionalität gehandelt haben und ob den wesentlichen Fragen, die sich während der Ermittlung ergeben haben, auch ausreichend nachgegangen worden ist. „Nach Ansicht des Unterausschusses sind beide Fragen mit ‚Nein‘ zu beantworten“, zog Amon Bilanz. Zudem kritisierte der Abgeordnete, dass dem Gremium nicht alle Akten zur Verfügung gestellt worden sind.

Die Ungereimtheiten rund um den Fall Kampusch wurden von den Abgeordneten zwar aufgeführt, allerdings nur sehr zurückhaltend beantwortet. Bei der zentralen Frage, ob es sich bei Wolfgang Priklopil um einen Einzeltäter gehandelt hat, kam der Ausschuss zu keinem eindeutigen Schluss. Die Frage, ob der Entführer Mittäter oder Mitwisser hatte, könne mit den vorliegenden Ermittlungsergebnissen „nicht abschließend beantwortet werden“. Auch für einen möglichen Mord an Priklopil habe es keine Hinweise gegeben - allerdings wurde kein toxologisches Gutachten an der Leiche durchgeführt. Auf einen Kinderpornoring im Hintergrund hat es laut dem Vertreter der Grünen, Peter Pilz, keinerlei Hinweise gegeben.

Reihe von Ermittlungspannen

Die Mitglieder des Ausschusses, dem Vertreter aller im Parlament vertretenen Parteien angehören, orteten aber dafür gleich eine ganze Reihe von Ermittlungspannen - wie etwa, dass dem Hinweis eines Polizei-Hundeführers auf den Entführer Wolfgang Priklopil nicht nachgegangen worden ist. Auch die Staatsanwaltschaft sei ihrer Aufgabe nicht nachgekommen. „Nach Auffassung des Untersuchungsausschusses wurden Beweisergebnisse vonseiten der Staatsanwaltschaft nicht ausreichend erörtert, vielmehr besteht der Eindruck, dass Ergebnisse im Zweifelsfall dahingehend interpretiert wurden, dass sie in die bestehenden Ermittlungsansätze passten. Aussagen von Zeugen, die dem widersprachen, wurden in der Regel als wenig glaubwürdig qualifiziert“, heißt es in dem Abschluss-Kommunique.

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Besonders kritisierte Amon den Umgang mit der Zeugin Ishtar A., die die Entführung von Kampusch beobachtet und über Jahre hinweg von zwei Tätern gesprochen hatte. Die junge Frau sei „unter Druck gesetzt worden“, um ihre Aussage letztlich zu ändern. Der Ausschuss überlegt in diesem Fall laut Amon sogar, eine Anzeige gegen unbekannt wegen Nötigung einzubringen, falls diese Frage bei der Evaluierung nicht geklärt wird. (APA)


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