Überproduktion stoppen - Steixner appelliert an Bauern
2069 Tiroler Milchbauern haben 2011 zu viel Milch geliefert, auch heuer explodiert die Überlieferung. Politik und Kammer warnen vor Teufelskreis.
Von Peter Nindler
Innsbruck –Noch gilt in der Europäischen Union die Milchquote, 2015 soll sie auslaufen. Landwirtschaftspolitiker laufen dagegen Sturm, befürchten sie doch ein Ende der kleinstrukturierten Landwirtschaft, die mit den großen Betrieben nicht mehr mithalten kann. Doch schon wächst der Milchsee. Es wird massiv überliefert und damit ein Teufelskreis erschlossen.
Wenngleich die Agrarindustrie in den großen Agrarländern wie Deutschland, Frankreich oder Holland dafür hauptverantwortlich ist – auch in Österreich und in Tirol gibt es eine Überproduktion. Die Schere von Angebot und Nachfrage klafft auseinander, die Erzeugerpreise für die Milchbauern fallen. „Darunter leiden auch jene, die ihre Quote einhalten“, betont Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger. Derzeit erhalten Tirols Milchbauern durchschnittlich rund 35 Cent je Kilogramm Milch.
Für ÖVP-Bauernbundobmann LHStv. Anton Steixner geht die Rechnung für die Landwirte selten auf. „Der Aufwand frisst zumeist den Ertrag. Deshalb sollten die Bauern genau rechnen.“ Denn die Konsequenzen sind nicht nur niedrige Milchpreise, sondern auch Überschussabgaben oder Strafzahlungen, die an Brüssel geleistet werden müssen.
Von den 5036 Tiroler Milchbauern haben 41 Prozent oder 2069 Betriebe ihre vorgegebenen Quoten um 13,8 Millionen Kilogramm überschritten. Der Anteil an der österreichischen Überproduktion beträgt sechs Prozent. Die betroffenen Bauern kommt das teuer zu stehen, sie zahlen dafür eine so genannte Überschussabgabe an die EU von 1,8 Mio. Euro. Insgesamt muss Österreich Strafzahlungen in Höhe von 33,4 Mio. Euro wegen nicht eingehaltener Milchquoten überweisen. Doch der Trend zur Überschreitung der Kontingente hält weiter an.
Wie der Obmann der Tirol Milch, Stefan Lindner, gegenüber der TT erklärt, ist die Milchanlieferung im ersten Halbjahr 2012 gegenüber dem Vorjahr wiederum um sechs Prozent gestiegen. Steixner und Hechenberger steigen deshalb auf die Milchbremse, „weil der Milchpreis dadurch unter Druck gerät“. Um rund sechs Cent sind die Erzeugerpreise in den vergangenen Monaten gefallen.